Enthusiasmuskolumne  

Martin Luther Kings Eisbrecher

Feuilleton | Armin Thurnher | aus FALTER 43/11 vom 27.10.2011

Diesmal: Der beeindruckendste Bürgerrechtler der Welt der Woche

Wer Harry Belafonte nur als karibisch angehauchte Stimmungskanone zu kennen glaubte, der wurde - falls er nicht die Falter-Beilage gelesen hatte - spätestens vergangenen Samstag aufgeklärt. Da erschien Belafonte, mittlerweile 84-jährig, persönlich im Gartenbaukino, um der Viennale-Premiere des Films "Sing your Song“ beizuwohnen. Ohne die Filmemacherin Susanne Rostock hätte es den Film nicht gegeben, sie montierte ihn aus 700 Stunden Material zusammen; das komplette Material soll via Internet zugänglich werden.

Diese Dokumentation seines Lebens hat Belafonte, wie er dem Publikum berichtete, vor allem angefertigt, um Studenten anzuregen, sich mit den Bürgerrechtsbewegungen seiner Lebenszeit zu befassen. Der Plural ist angebracht, denn Belafonte war nicht nur einer der wichtigsten Berater Martin Luther Kings, er brach das Eis der Rassentrennung (als ihm, dem Schwarzen, Petula Clark im TV die Hand auf den Arm legte, gab es einen Skandal), er riskierte für die Rechte der Afroamerikaner Kopf und Kragen. Heute setzt er sich für inhaftierte, in der Mehrzahl schwarze Jugendliche in den USA ein.

Er sei Aktivist gewesen, ehe er zum Künstler wurde, erzählte Belafonte. Auf die Frage, ob er eher Schauspieler sei oder Sänger, antwortete er, er sei der größte Schauspieler der Welt, denn er habe die Welt glauben machen können, er sei ein Sänger. Und stimmte kurz "Day-O“ an.

Ein mutiger Mann, ein souveräner, witziger, mit Selbstironie begabter Weltbürger, Gesprächspartner mehrerer US-Präsidenten, vom FBI gemobbt, Freund Marlon Brandos und Sidney Poitiers, die sich mit ihm im Bürgerrechtskampf engagierten.

Im persönlichen Gespräch blieb Belafonte trotzdem interessiert an Details aus dem unbedeutenden Gastland. Und als er sich spät aus dem kleinen, aber wie bei solchen Anlässen üblich doch wieder nicht allzu kleinen Kreis verabschiedete, ging er zu jedem Tisch und gab jedem einzelnen Anwesenden die Hand.


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