Die Ernte aus 50 Jahren: Biermanns gesammelte Nachdichtungen

Feuilleton | aus FALTER 43/11 vom 27.10.2011

Wolf Biermanns Gedichtbände gehören zu den meistverkauften der deutschen Nachkriegsliteratur. Nun sind auch seine Übersetzungen und Adaptionen fremder Lieder und Gedichte aus 50 Jahren gesammelt erschienen. Zusätzlich präsentiert Biermann in dem Band auch seine Notenblätter und handschriftliche Anmerkungen.

Die meisten Texte wurden durch Begegnungen angeregt. Freunde wie Eva-Maria Hagen, Lew Kopelew, Joan Baez, Franz Hohler und Allen Ginsberg steckten ihm Lieder zu. Enthalten sind unter anderem Texte von Rimbaud und Verlaine, Jean-Baptiste Clément, Ernesto Cardenal und Harry Belafonte, Dylan Thomas und George Orwell, dem russischen Dissidenten Juli Daniel, Elie Wiesel, Paco Ibáñes, Dionysis Savopoulos und Yves Montand. Die meisten von ihnen lernte Biermann auch persönlich kennen. Dazu kommen jiddische und hebräische Gedichte.

Biermanns Schatzkiste enthält etwa eine Übersetzung der umfangreichen "Eleven Outlined Epitaphs“ ("Elf Entwürfe für meinen Grabspruch“) des jungen Bob Dylan, plebejische Folklore und auch "niedere Volkspoesie“ wie das amerikanische "Oh My Darling, Clementine“. Ebenso hat der Liedermacher 40 Sonette Shakespeares in eine deutsche Fassung gebracht - darunter befindet sich auch das berühmte 66. Sonett, für Biermann "die schönste Liebeserklärung auf Erden“. HR

Wolf Biermann live: Theater Akzent, 5.11., 19.30 Uhr

Wolf Biermann: Fliegen mit fremden Federn. Nachdichtungen und Adaptionen. Hoffmann und Campe, 526 S., € 26,80


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