Buch der Stunde

Alles Gute, Ilse Aichinger!

Feuilleton | Anja Hirsch | aus FALTER 43/11 vom 27.10.2011

Nach Würdigungen zu Ilse Aichingers früheren Geburtstagen scheint fast alles schon gesagt. Am 1. November nun wird sie 90. Und diesmal darf die Autorin selbst sprechen. Der Verlag Edition Korrespondenzen veröffentlicht gedruckte Interviews von 1952 bis 2005 plus eine CD, die vier ausgewählte Gespräche enthält. Zusammen entsteht so beinahe ein Entwicklungsroman. Vor allem die frühen Interviews spiegeln, was in Aichingers Literatur angelegt ist: Bedächtigkeit beim Abwägen der Antwort und Zurückhaltung.

Als junge Preisträgerin der Gruppe 47 war sie gefragt, doch zunächst unter Journalisten als Schweigerin gefürchtet. Biografisches gab sie ungern Preis, dankbar übernahm sie das ihr zugespielte Stichwort. Das änderte sich mit der Zeit jedoch. Man entdeckte sie als attraktive Gesprächspartnerin, die sehr dezidiert Stellung bezog. Die Sprache, der Satz, jedes einzelne Wort ist bei Ilse Aichinger unbedingt ernst zu nehmen. Hinter ihm tut sich ein Bedeutungsgebirge auf, das geradewegs


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