Ins Mark  

Braut und Bräutigam

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 43/11 vom 27.10.2011

Die Braut wird derzeit zwar noch hergerichtet und erst im Herbst 2012 heiratsfähig sein, dennoch haben schon zahlreiche Brautwerber ihr Interesse bekundet. Die Braut, das ist in diesem Fall das Grazer Künstlerhaus. Und die Brautwerber sind die unterschiedlichsten Gruppierungen aus der Grazer Kulturszene.

Seit Jänner befindet sich das Haus am Stadtpark im Umbau, im September 2012 soll es fertig sein. Was den zukünftigen Bräutigam betrifft, da gibt sich der Vater der Braut, Kulturlandesrat Christian Buchmann, liberal, von einer Zwangsehe sieht er ab. Er hat die Brautwerber dazu eingeladen, sich an einen runden Tisch zu setzen, um zu überlegen, wie das Künstlerhaus künftig zu bespielen wäre. Und vor allem, wer es bespielt. Das Ergebnis nach zwei Enqueten: kein Ergebnis. Zumindest kein endgültiges, was ja der Sinn der Sache gewesen wäre. Kommt das jetzt überraschend?

Nicht wirklich. Wie sollen sich die dem Zeitgenössischen zugetanen Kunstvereine wie etwa Medienturm oder (Interessengruppe I), die Protagonisten der freien Szene (Interessengruppe II), die alteingesessenen Künstlerbünde (Interessengruppe III) oder das Stadtmuseum (Interessengruppe IV) auf eine gemeinsame Linie einigen? Noch dazu, wo ohnehin nur ein Bräutigam das Rennen machen wird. Schaut schlecht aus, hätte man sich vorher denken können. Wie geht es weiter? Der Landesrat wartet nun auf die Heiratsanträge, sprich Konzepte der Interessengruppen, um dann seines Amtes zu walten, also eine Entscheidung zu treffen. Prinzipiell steht zu befürchten, dass solche Enqueten nicht gerade den Zusammenhalt der Grazer Kulturschaffenden fördern.

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige