Phettbergs Predigtdienst

De facto bekehren "wir“ den Teufel

Kolumnen | aus FALTER 43/11 vom 27.10.2011

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Es wurde sogar demonstriert gegen "Gólgota Picnic“. Das Orpheum in Graz hat zwei Eingänge, einen hinteren und einen vorderen! Wolfgang Croce, der Fotograf, und ich kamen nach dem Abendessen in einem türkischen Speiselokal erstens zu spät und zweitens sahen wir den Demonstrationswirbel nicht! Als dann der lang anhaltende Applaus aus war, rannten wir ebenfalls hinten hinaus und kriegten von der Demonstration nichts mit! Ich konnte mich dann nur mehr im Interview aufregen, dass gegen so ein großes Gebet demonstriert wird! Bühnenbild und Inszenierung waren eines Burgtheaters wert!

Leider kann ich nur Deutsch. Das Heft hat die Ankündigung des Stückes in englischer Sprache, das Stück wurde spanisch gespielt mit Übertitelung, aber mir hat die Intendantin Veronica Kaup-Hasler den Text vorher komplett vorgelesen, ich fiel fast in Entzückung über so viele mir ähnliche Passagen aus der verzweifelten Sehnsucht in meiner Gestion! Natürlich, ich bin ein deutsch radebrechender Wurm und Rodrigo Garcìa ist ein spanischer & großer Dichter!

Es beginnt, wie Luzifer vom Himmel herunterstürzt und feststellen muss, dass "wir“ viel mehr schon treiben, als der gefallene Engel es sich ausdenken könnte! De facto bekehren "wir“ den Teufel, zurück zu Gott zu kehren! Wenn ich jetzt z.B. den jus.at-Studenten anzubaggern versucht hätte, wär ich auch "so einer“ und die Welt wär finsterer geworden! Das meint das große Werk. Die Orpheum-Inszenierung bestand ganz einfach aus tausenden Big-Mac-Weckerln mit Sesam drauf und Faschiertem drinnen, das komplette Orpheum stank wie die Hölle! Und die ohne Teufel weiterwursteln Müssenden hören nicht auf, einander mit jeweils bösen Farben zu bespritzen und wieder reinzuspritzen und mit neuen, jeweils bösen modischen Farben schmutzig zu machen.

Du musst dir die Lässigkeit der "Picnic“ haltenden acht Personen vorstellen, wie von El Greco & Goya gemalt! Als das Taxi beim Hinterausgang auf mich wartete und Wolfgang Croce den Gebetswirbel fotografierte, kniete sich der KLAVIERSPIELER vor mich hin, anstatt ich mich vor ihn! Ich find seinen NAMEN nicht! SIR wohnt in Wien und liest den Falter regelmäßig!

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