Menschen

Geschenkt

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 43/11 vom 27.10.2011

Menschen mit berühmten Namen waren zu Gast in unserem Städtchen, was einerseits mit der Viennale zusammenhängt und andererseits damit, dass es wieder ein "Gratisbuch“ unter die Leute zu bringen galt. Die Aktion "Eine Stadt. Ein Buch“ (ein berühmter Name) ging in ihre zehnte Runde. Diesmal spielte Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa die Hauptrolle. Llosa besuchte die Volksoper, brave Gymnasiastinnen und Gymnasiasten in der braven Vorstadt und trat in der Hauptbibliothek auf. Und, ach, er musste auch noch Politiker, Bürgermeister und Wirtschaftskammerpräsidentinnen treffen, Bankdirektoren und Szenegastronomen. Was für ein Wirbel um ein dünnes Buch. Aber wenn’s doch was geschenkt gibt!

Und dann kam Harry Belafonte. Zur Viennale. Wer jetzt ein bisschen einen Flunsch zieht und meint "Wieso nicht Antonio Banderas?“, dem sei gesagt: weil Belafonte ein ganz Großer ist (siehe Seite 23). Der smarte 84-jährige Sänger, Schauspieler, Unicef-Botschafter und Menschenrechtsaktivist hielt eine sehr lange Pressekonferenz durch, sang und hielt auch mit seiner Meinung nicht zurück: "Der Feind schläft nie.“ Obama, so Belafonte, schenkt seine Aufmerksamkeit zu sehr der Mittelschicht, er sollte sie den Armen und den Arbeitern widmen. Sehr gut. Der zweite Viennale-Stargast, auf den wir uns hier hinten sehr gefreut haben, kommt diese Woche übrigens doch nicht nach Wien. Die Künstlerin Genesis P-Orridge, verlautbarten die Verantwortlichen, musste ihren Festivalbesuch aus gesundheitlichen Gründen absagen. Irgendwann dann doch noch gekommen ist Chris Geddes, der sonst die Tasten bei Belle & Sebastian bedient. In die Viennale-Zentrale auf dem Badeschiff nämlich, als DJ. Gut, sagen wir jetzt mal, dass das Filmfestival nicht nur in abgedunkelten Räumen stattfindet. Sondern auch in welchen mit Panoramascheiben und Discoscheinwerfern.

Dass das neue Programm der Entertainer Dirk Stermann und Christoph Grissemann "Stermann“ heißt, auf dem Plakat aber ein Foto von Grissemann zu sehen ist, ist ein Mördergag. Geben wir neidlos zu. Das ist so, wie wenn irgendwo in gelber Schrift "Blau“ steht. Oder so. Dass in "Stermann“ schonungslos des Künstlers schwere Kindheit aufgearbeitet wird, haben wir nach dem ersten Witz schon nicht geglaubt. Zumindest hoffen wir, dass sich keine Schwestern erhängt haben oder Stermanns Eltern echt so herzlos waren. Das Premierenpublikum im Rabenhof fand’s jedenfalls von vorne bis hinten zum Brüllen komisch (was wir, obwohl wir schon auch mitgelacht haben, nicht ganz nachvollziehen können, dazu mehr in der Falter:Woche). Aber das Premierenpublikum im Rabenhof ist auch schon ein bisschen älter und braucht zum Eintrittskartenlesen Lesebrille.

Schließlich sollte man auch das Kleingedruckte lesen können - auch bei Geschenken. Oder in Büchern. Fidel Peugeot und Karl Emilio Pircher, die beiden Herren vom Wiener Design-Studio Walking Chair, präsentierten im Stilwerk ihr temporäres Prater Café. Und jetzt gibt’s von Walking Chair auch ein Buch ("You Do Design You, We Do Design You“, Metroverlag).

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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