Ausstellung Tipp

Mit dem Baseballschläger gegen die Nazis

Lexikon | aus FALTER 44/11 vom 02.11.2011

Was hatten die Gründer der großen Hollywoodstudios Paramount, MGM, Universal und die Warner Brothers gemeinsam? Sie alle waren jüdische Emigranten aus ärmlichen osteuropäischen Verhältnissen, die in der Neuen Welt ihre Träume zu verwirklichen suchten. "Bigger Than Life“ heißt die Ausstellung im frisch renovierten Jüdischen Museum, die nun die Geschichte des Hollywoodfilms vor dem Hintergrund der europäisch-jüdischen Erfahrung präsentiert. Emigration und Exil spielen dabei eine fundamentale Rolle, erfanden doch Einwanderer das System der Studios und Stars, in dem wieder Einwanderer reüssieren wollten.

Der Schauspieler Charlie Chaplin verkörperte den armen Flüchtling in Filmen wie "The Immigrant“ so authentisch, dass ihn alle für einen Juden hielten. Die Ausstellung bringt Filmausschnitte, nie gezeigte Filmplakate aus der Stummfilmära in Großformat, Entwürfe sowie rare Requisiten zusammen. So findet etwa ein Stuhl von Rick’s Café Américain aus dem Film "Casablanca“ ebenso nach Wien, wie der Baseballschläger des "Bärenjuden“ Eli Roth in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds“. Zu dem Südstaatenfilmepos "Vom Winde verweht“ sind Architektur- und Kostümzeichnungen zu sehen, und aus dem Film "Easy Rider“ rollt eine Harley Davidson in die Dorotheergasse.

Im neuen Hollywoodkino reichen die Darstellungen jüdischer Identität von Woody Allens "Stadtneurotiker“ bis zur unterdrückten Intellektuellen in "Yentl“ mit Barbra Streisand. NS

Jüdisches Museum, bis 15.4.


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