Neu im Kino

Echt kein Witz! Spielbergs "Tim & Struppi“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 44/11 vom 02.11.2011

Wie sein langer, aber schlichter Titel andeutet, nimmt der Film "Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn“ in jedem Sinn weite, verschlungene Wege zu bescheidenen Zielen. Hollywoods prominentester Regisseur tritt an, um mit den Tintin-Comics des Belgiers Hergé einen auf die 30er zurückgehenden Franchise zunächst auf europäischen Märkten neuzustarten. Dazu wurde der Comic von Mimen wie Jamie Bell und Daniel Craig nachgespielt und deren Spiel per motion capture in detailreiche Animationen übertragen, die auch in 2 D wie 3 D aussehen und das durch Applikation von Glanzlicht, Linsenreflex und Wind in Tims struppigem Haar auch betonen. Keiner der Darsteller ist auch nur entfernt wiederzuerkennen - ein echter technischer Durchbruch.

In Kooperation mit zwei außeramerikanischen Talentepools - die Neuseeland-Connection zu Peter Jackson, der Gummiponem Andy Serkis mitbringt; die britische "Shaun of the Dead“-Retrocomedyseilschaft rund um Simon Pegg - entstand etwas, was man so von Spielberg allein an einem schlechten Tag auch hätte haben können: weltweite Schatzsuche zu Wasser, Land und Wüstensand und das Turnen von rasenden Gefährten auf ebensolchen legen Vergleiche mit dem zweiten Indiana-Jones-Film nahe, denen "Tim & Struppi“ auf der Kolonialschwulstskala auch standhält. Mit dem Selbstfindungsprozess des trunksüchtigen Käpt’n Haddock, der unter der Obhut des juvenilen Analogbloggers Tintin in opulenten Piratenstammbaumfantasien deliriert, gelingt Spielberg sogar ein Remake seines Karrieretiefpunkts "Hook“. All das kommt ohne Frauenrollen aus, bietet manch furiose Steadicam aus dem Rechner und nicht einen guten Gag. Ergo seufzt der Fan, wissend, dass der beste Spielbergfilm derzeit von J.J. Abrams stammt und "Super8“ heißt.

Derzeit in den Kinos (OF und 3 D in Haydn und Apollo)


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