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Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 44/11 vom 02.11.2011

Hier herinnen gibt es Momente, die, während es sie gibt, außergewöhnlich, abenteuerlich, ja, aufsehenerregend zu sein scheinen, und im Nachhinein besehen, sagen wir, wunderlich wirken.

Als wir zu zweit im Büro saßen und einer Zigarette skeptisch schweigend dabei zusahen, also vor allem Christopher Wurmdobler, wie sie im Aschenbecher vor sich hin glühte, da war das so ein Moment. Aus einem Geheimgrund gehen Zigaretten seit einigen Wochen aus. Von selbst, einfach so. Das gab es früher nicht. Also mussten wir das testen.

Als Wurmdobler später, das Experiment war längst abgeschlossen, die Zigarette war unter unseren beschwörenden Blicken bis zum Filter abgebrannt und hatte uns so klug als wie zuvor zurückgelassen, als er also "Christen! Christen!“ gellend bei der Tür herein und zum Fenster schneite, da war das wieder so ein Moment. Aber der aufgeregte Tugenddeutsche hatte Recht, es waren Christen, die in hellen Stimmen flötend unter unseren Fenstern vorbeidemonstrierten.

Sie sahen glückselig aus, als würden sie nicht gegen, sondern für etwas singen, vielleicht für mehr Gott, für mehr Christen oder für mehr Kinder - wer weiß das schon? Zumindest von Letzteren haben wir hier genug, quantitativ gesprochen genug, und es werden ständig mehr. Literaturkritiker Sebastian Fasthuber hat seit kurzem nicht nur einen Laurenz, sondern auch eine Ilva, Anstandskritiker Reinhard Hackl eine Karolina und Realitätskritiker Bernd Püribauer sogar einen Levi. Nur wir, also vor allem Wurmdobler, wir haben nur diese Momente.


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