Am Apparat  

Haben die Bürger von Steinhof ihr Ziel erreicht, Frau Muchsel?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 44/11 vom 02.11.2011

Vehement kämpfte eine Bürgerinitiative gegen die Verbauung von Steinhof mit Wohnungen durch die städtische Wohnbaugesellschaft Gesiba. Jetzt ist geschehen, womit niemand gerechnet hat: Bürgermeister Häupl hat ein Machtwort gesprochen und 200 von 600 Wohnungen gestrichen. Was sagt Steinhof-Aktivistin Christine Muchsel dazu?

Frau Muchsel, sind Sie zufrieden?

Wir freuen uns natürlich über das Aussagen des Bürgermeisters und sehen darin einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung.

Aber?

Aber wir fordern nach wie vor den totalen Verzicht auf Wohnbebauung. Sämtliche unserer Forderungen bleiben aufrecht, vor allem, dass das Jugendstiljuwel Steinhof unzerstört erhalten bleiben muss.

Rathausinsider meinten, die Grundstücke seien bereits an die Gesiba verkauft, der Zug abgefahren. Was haben Sie richtig gemacht, dass Ihren Forderungen trotzdem nachgegeben wurde?

Der Zug war gar nicht abgefahren. Im Gegenteil gibt es im Gemeinderat sogar eine Mehrheit dafür, Steinhof zum Weltkulturerbe zu erheben. Die Grünen haben den Antrag 2006 eingebracht, ÖVP und FPÖ vor wenigen Tagen. Wenn sich also die Grünen in dieser Sache von ihrer koalitionären Knebelung befreien könnten, gäbe es eine Mehrheit. Ich sehe unsere Forderung politisch untermauert.

Und dennoch waren die Grundstücke schon an die Gesiba verkauft.

Die Gesiba ist Gemeindeeigentum. Angeblich bemüht man sich gerade um ein Ersatzgrundstück für die 600 Wohnungen. Bei tausenden, die am Stadtrand errichtet werden, wird wohl Platz für läppische 600 sein.

Wiens Bürger klagen immer über Intransparenz und Willkür. Ist es nicht ebenso willkürlich, wenn der Bürgermeister in Steinhof ein Machtwort spricht?

Ich sehe das positiv. Aber man hätte natürlich von Anfang an transparent verfahren können. Dann hätte man sich viele Scherereien erspart.

Interview: Joseph Gepp


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