"Keinen Deut besser als zur Nazizeit“

Politik | Bericht: Hoseph Gepp | aus FALTER 44/11 vom 02.11.2011

Was ein einstiger Zögling über Kinderheime vor 50 Jahren in Wien und Niederösterreich erzählt

Wer mit Mark Schivitz* spricht, merkt, wie schlimm die Kindheitserinnerungen sind, die ihn quälen. Zugleich merkt man aber auch, dass Schivitz keiner ist, den die Vergangenheit gebrochen hat. Viele seiner alten Freunde, erzählt er, hätten sich umgebracht oder zu Tode getrunken. "Dieser Kelch ist an mir vorüber gegangen.“ Schivitz hat - nach Therapiestunden und Valium - mit seiner Erinnerung zu leben gelernt, er steht, so scheint es, erfolgreich im Leben.

65 Jahre ist er heute alt. 13 davon verbrachte er in Kinderheimen in Wien und Niederösterreich - auch am Wilhelminenberg, wo es laut ehemaligen Zöglingen massive Kindesmissbräuche gegeben haben soll. Seit diese publik wurden, haben sich mehr als 360 mutmaßliche Opfer beim Weissen Ring, Wiens Anlaufstelle für missbrauchte Heimkinder, gemeldet. Schivitz hat dem Weissen Ring ebenso seine Geschichte anvertraut wie dem Rechtsanwalt Johannes

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