Mediaforschung  

"Würden Sie Ihren besten Freund kastrieren, Frau Loose“

Nachfragekolumne

Medien | Stefan Apfl | aus FALTER 44/11 vom 02.11.2011

Bei Plakatwerbung, heißt es, zähle der erste Impuls. Ein hungerndes Kind? Erregt Mitleid oder Zorn. Ein schöner Mensch? Lust oder Neid. Der Slogan "Geiz ist geil!“ Kauflust oder Abscheu, je nach Zielgruppe. Die einen wollen Spenden gerieren, die anderen Umsatz, die Dritten Bewusstsein und alle miteinander: Aufmerksamkeit. So viel zum Werbe-No-Na.

Was aber soll man sich bei folgendem Spruch denken: "Würden Sie Ihren besten Freund kastrieren? Wir schon.“ Nichts Gutes. Zunächst versucht man, also Mann, wohl eher an was anderes zu denken. Bloß nicht an seinen besten Freund, ja nicht an dessen Gemächt und, um Himmels Willen, keinesfalls an diese unauslöschbare Szene aus von Triers "Antichrist“. Nennen wir den Impuls also: Verdrängung. Und wer es doch nicht verdrängen kann, stößt unausweichlich auf die eine Frage: Wer ist der Sender dieser Botschaft und was kann er von uns wollen?

"Wir wollten das Unwort ‚Kastrieren‘ bewusst verwenden“, sagt Sabine Loose, in der Deutschland-Zentrale der Tierschutzorganisation Vier Pfoten für Marketing zuständig. Die Plakate, die in Zusammenarbeit mit der Werbeagentur Grimm, Gallun, Holtappels entstanden sind, werden derzeit im gesamten deutschen Sprachraum sowie in den Niederlanden und Großbritannien affichiert.

Ob man Männer mit dem Spruch nicht eher abschrecke, als sie zum Spenden anzuhalten? Einerseits, sagt Loose, gehe es nicht nur darum, die Geldbörse zu öffnen. Im Mittelpunkt stehe die Bewusstseinsbildung für das Problem der Streuner. In der halben Welt führt Vier Pfoten jährlich tausende Kastrationen an herrenlosen Hunden und Katzen durch. "Andererseits“, sagt Marketingchefin Loose, "ist Tierschutz eine Frauendomäne. Wir scheinen aber auch viele Männer erreicht zu haben. Das freut uns sehr.“


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige