Der Start von ORF 3: schmaler Grat zwischen hohem Anspruch und knappen Ressourcen

Medien | aus FALTER 44/11 vom 02.11.2011

 Womit startet man Fernsehgeschichte? MTV, der Musiksender, der am 1. August 1981 erstmals auf Sendung ging, eröffnete mit "Video Killed the Radio Star“ von den Buggles. ORF 3 gab es etwas weniger anspielungsreich, dafür nicht weniger bezeichnend. Als erste Sendung zeigte der neue Kultur- und Infospartenkanal des ORF eine Doku über - sich selbst.

Relativ häufig kam dabei ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zu Wort. Wer auch immer Zweifel daran hegte, was dem jüngst wiedergewählten TV-Chef am Herzen liegt, weiß es jetzt. ORF 3 ist Public-Interest-Fernsehen pur.

Noch etwas zeigte die - übrigens auf der TVthek verfügbare - Doku. Das kleine Team des neuen Senders arbeitet im Spagat zwischen hohem Anspruch und beschämend knappen Ressourcen und versucht, das Beste daraus zu machen. Da werden dann die entstaubten, alten Mikrofone oder die aus Versatzstücken zusammengebaute TV-Kamera als Wiederkehr der analogen Ästhetik gefeiert. Auf ORF 3 ist alles echt und nicht immer ganz perfekt, soll uns das wohl sagen, aber dafür stimmt die Qualität.

So viel unprätentiöse Selbstironie tut wohl. Beim Programm bewegt sich ORF 3 derzeit noch in den Sphären etablierter Hochkultur, experimentelle, junge, heimische Fernsehproduktionen finden sich derzeit nicht, dafür eine Reihe interessanter Dokus wie "Let’s Make Money“ (7. November), "Mein liebster Feind“ (21. November) und "Workingman’s Death“ (28. November) sowie für Klassikfans die Aussicht auf alle 22 Mozart-Opern am Sonntag. BT


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