Die Reinheit der Wollust

Feuilleton | Werkschau: Gerhard Midding | aus FALTER 44/11 vom 02.11.2011

Das faszinierende Werk des Regisseurs Carl Theodor Dreyer im Filmmuseum

Eine berückende Verschwiegenheit herrscht in seinen Filmen. Sie lassen sich nicht übertönen vom Tumult, der in der Seele ihrer Figuren tobt. Eine melodramatische Preisgabe findet in ihnen nicht statt. Dieser Regisseur ertappt seine Charaktere nicht. Dabei hat er sich nicht weniger vorgenommen, als die Seele auf der Leinwand sichtbar werden zu lassen. Auch in der Tonfilmära muten seine Dramen beinahe lautlos an; es ist stets ein verstörender Moment, wenn eine der Figuren ihre Stimme erhebt.

Seine Szenen lässt der dänische Regisseur Carl Theodor Dreyer (1889-1968) gern in einer sanften Abblende ausklingen, mit der er sich vor der Vorstellungskraft des Zuschauers verbeugt. Diese Diskretion ist keine Geste des Ausweichens, sondern eine des Respekts. Das Glück der Versöhnung des Haustyrannen mit seiner vom häuslichen Leben erschöpften Frau filmt er in "Du sollst deine Frau ehren“ (1925) nur in einer Rückenansicht,


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