Stirb langsam

Feuilleton | Essay: Klaus Nüchtern | aus FALTER 44/11 vom 02.11.2011

Demnächst beginnt die Wiener Buchmesse. Darf man da fragen, wie es dem klassischen Buch eigentlich geht? Antwort: Danke, schlecht - aber das schon ziemlich lange

Bibliotheken sind Zonen des Übergangs: Sie gehören der analogen Welt ebenso an wie der digitalen. Der Hinweis darauf, dass lediglich Bleistifte verwendet werden dürften, die Verwendung von Füllfeder oder Kugelschreiber aber verboten sei, wie man ihn in manchen Lesesälen früher lesen konnte, ist heute obsolet geworden. Das Tickern der Tastaturen hat das Schaben der Stifte als hegemoniales Geräusch abgelöst: Das digitale Zeitalter ist ein solches auch im physiologischen Sinne - die Finger sind heftig beschäftigt.

Sofern der Lesesaal nicht nur dazu benutzt wird, medizinische Fachbücher mit Leuchtstiften in Op-Art-Kunstwerke des studentischen Alltags zu verwandeln, beteiligen sich die Bibliotheksbesucher dort fast automatisch an der Digitalisierung der analogen Welt: Was aus Büchern exzerpiert und abgeschrieben wird, kann


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