Tiere

Bleistiftspitze

Falters Zoo | aus FALTER 44/11 vom 02.11.2011

Willkommen im Vollherbst. So heißt die Jahreszeit, in der die Winterreifenpflicht einkehrt, der Bundespräsident zur Besinnung mahnt und Holzhütten auf Gehsteigen wachsen, aus denen heißer Glibbersaftdunst herausweht. Eine gute Zeit, Bilanz zu ziehen.

Im heurigen Jagdjahr blieben die Abschüsse mit insgesamt 780.543, ähh ... Stück mit einem Minus von 0,7 Prozent nur geringfügig unter den Abschusszahlen der letzten Saison. Die Statistik Austria weist aber in ihrer Aufstellung 910.299 tote Wildtiere aus. Die Differenz von ca. 130.000 Tieren nennt man Fallwild, also Wild, das hauptsächlich durch Autos gefällt wurde. Mit einem Anteil von fast 15 Prozent an der gesamten Jagdbeute sollten die Automobilverbände ÖAMTC und Arbö eigentlich auch als Jagdverband gelten.

Versicherungen reden diesen schönen Jagderfolg gleich wieder schlecht: Die Allianz weist in einer Presseaussendung darauf hin, dass alleine bei ihr in der Kaskoversicherung pro Jahr rund 4500 Wildschäden mit einem Gesamtschaden von rund sechs Millionen Euro gemeldet werden. Und der Mahnung folgt eine Warnung: "Bei einer Kollision mit Wild auftretende Kräfte sind enorm. Schon bei einem Frontalaufprall bei Tempo 60 verwandelt sich ein Hirsch in einen Elefanten, ein Wildschwein wird zum Nashorn.“ Na ja, auch mit einer Kaskoversicherung ist man vor afrikanischer Fauna auf unseren Straßen nicht gefeit.

Die Salzburger Landesrätin Tina Widmann kündigte an, dass im Nationalpark Hohe Tauern nächstes Jahr nur mehr mit bleifreier Munition gejagt werden soll. Davon profitieren nicht so sehr die erlegten Tiere als vielmehr andere, noch lebende Raubtiere, die die von den Jägern liegen gelassenen Innereien mit den giftigen Schwermetallsplittern fressen und daran zugrunde gehen.

Wildbret kann aus den gleichen Gründen auch für Menschen gefährlich sein. Der Deutsche Jagdschutzverband warnt aber vor "Panikmache“ und weist sympathischerweise darauf hin, dass die größere Bleibelastung bei Menschen mit Getreide und Obst aufgenommen werde. Da aber in Deutschland jedes Jahr bis zu 2000 Tonnen Bleimunition verschossen und zumindest im Boden versenkt werden, ist die Frage, ob am vegetarischen Bleikonsum die Jagd nicht auch ihren Anteil hat.

Aber wie eingangs zart angedeutet, willkommen im Vollherbst des Lebens!

Unser Kolumnist Peter Iwaniewicz erzählt hier kein Jägerlatein

zeichnung: püribauer.com


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