Vernissage

Mal Produzenten von Kunst, mal Kunstsoziologen

Lexikon | aus FALTER 45/11 vom 09.11.2011

Bestens eingeführt und populär eröffnet diese Woche zum vierten Mal die niederschwellige, von den Kuratoren Lorenz Seidler (alias eSeL) und Günther Oberhollenzer organisierte Verkaufsausstellung im Künstlerhaus, bei der Kunstwerke für nicht mehr als 100 Euro erstanden werden können. Neben dem Experiment mit dem Einheitspreis sollen bei "METAmART. Kunst und Kapital“ heuer aber noch mehr als ein Dutzend anderer Marktmodelle erprobt werden. So können zum Beispiel Preise auch ausgehandelt werden, oder es herrschen ironische Zugangsbedingungen zum Angebot wie "Perlenkette oder Schlips“. Die schöne bunte Kunstwarenwelt tritt also hinter das Konzept zurück, das schon bei der Auswahl durch die Jury ins Gewicht fiel.

Die große Neuerung besteht 2011 aber in einer anschließenden Schau "METAmART - Der Ausstellungsparcours“, die eine Woche nach der alternativen Messe - die sich auch als Sozial- und Vernetzungsevent versteht - eröffnet. Dabei werden Kunstwerke gezeigt, die die eigenen sozioökonomischen Arbeitsbedingungen thematisieren, kommentieren und analysieren. Die Schau möchte speziell die Situation junger Kunst widerspiegeln. Welche alternativen Möglichkeiten der Vermarktung, Selbstinszenierung, Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit bieten sich in diesem zwischen Offszene und "Professionalisierung“ oszillierenden Bereich? Welche künstlerischen Rollenbilder existieren im aktuellen Kunstbetrieb? In der Schau werden auch unsichtbare Strukturen, Einschluss- und Ausschlussmechanismen thematisiert, die im Nadelöhrverfahren des Kunstmarkts vorherrschen. Offiziell zählt bei den elitären Distributionswegen von Kunst, wie sie Galerien bieten, ja immer noch das Prinzip von Verknappung und als einziges Argument das der "Qualität“. NS

Künstlerhaus, Verkauf: Eröffnung Mi 14.00, bis 20.11.; Ausstellung: 24.11. bis 19.2.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige