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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 45/11 vom 09.11.2011

Das Schweigen brechen

Verhaftungen, Morddrohungen und Anschläge auf Leib und Leben prägten den Alltag der russischen Journalistin Anna Politkowskaja. Die scharfe Kritikerin des Putin-Regimes sah nicht zuletzt in diesen Angriffen den Beweis für die unerträglichen Zustände in Russland. Im Oktober 2006 wurde sie ermordet. Täglich empfing sie Besucher in den Räumen ihres Arbeitgebers, der Zeitung Nowaja Gaseta, und bot ihnen in Artikeln Raum für dissidente Meinungen. Ein gefährliches Unterfangen in einem Land, in dem das stille Dulden von Missständen auf der Tagesordnung steht. Das vorliegende Buch "Die Freiheit des Wortes“ enthält bis dato unveröffentlichte Berichte der Reporterin. Detailliert erzählte Einzelschicksale legen dabei die Sicht frei auf ein durchwegs korruptes Regime.

Nadja Kwapil

Anna Politkowskaja: Die Freiheit des Wortes. Dumont, 314 S., € 23,70

Vom Ende der Konsumgesellschaft

Der Titel ist Programm: "Wir konsumieren uns zu Tode“ heißt das Buch von Heike Holdinghausen und Armin Reller. Was das bedeuten soll? Dass unser westlicher Lebensstil laut den Autoren nicht zukunftsfähig ist. Die okzidentale Gesellschaft stehe vor einer Zeitenwende - was Produktionstechniken, was ökonomische Verteilung, was das gesellschaftliche Leben an sich angehe. Härtester Kritikpunkt: Die Bürger hätten großteils keine Ahnung mehr, unter welchen Bedingungen die Güter ihres täglichen Konsums hergestellt würden. Rohstoffe und Luxusartikel wandern von Kontinent zu Kontinent, von Arm zu Reich, von Billiglohnfabriken in die Geschäfte. Das Sichtbarmachen dieser Umstände lässt im Sinne der Autoren nur zwei Optionen offen: die Fortsetzung des autistischen Egoismus in Richtung Untergang oder eine Neuverhandlung unserer Lebensumstände.

Michael Kirchdorfer

Holdinghausen, Reller: Wir konsumieren uns zu Tode. Westend, 189 S., € 13,40


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