Die Delikte der Kavaliere

Feuilleton | Pornojagd: Matthias Dusini | aus FALTER 45/11 vom 09.11.2011

Egon Schieles Pornos, traumatisierte Lolitas: Wurden Kinder auch im Namen der Kunst missbraucht?

Es ist der Albtraum aller Eltern. Die kleine Tochter geht gern zum Nachbarn spielen, der als Maler den ganzen Tag in seinem Atelier hockt. Eines Tages entdecken die Eltern, was die Kleine dort macht: Sie liegt nackt mit gespreizten Beinen auf dem Sofa, angestarrt von dem zeichnenden Künstler.

Was heute zu einem Polizeieinsatz und dem Karriereende des Künstlers führen würde, sorgte auch 1911 für einen Skandal. Der 21-jährige Maler Egon Schiele machte in seinem Atelier in Neulengbach pornografische Zeichnungen von Mädchen aus der Nachbarschaft. Als eines von ihnen bei dem Künstler übernachtete, zeigte ihn dessen Vater an.

24 Tage saß er in Untersuchungshaft, dann fiel das Urteil: Freispruch vom Vorwurf der Entführung und Schändung einer Minderjährigen. Drei Tage Arrest wegen "Verbreitung unsittlicher Zeichnungen“. Er würde heute nicht so glimpflich davonkommen (siehe Interview S.


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