Wie beurteilt ein Rechtsanwalt den Fall Egon Schiele?

Feuilleton | aus FALTER 45/11 vom 09.11.2011

Der Wiener Rechtsanwalt Helmut Graupner (46) ist Experte für Sexualstrafrecht und Co-Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung (ÖGS). Er erklärt die juristischen Aspekte von Pornografie und sexueller Gewalt.

Falter: Seit wann sucht die Polizei nach Kinderpornografie?

Helmut Graupner: Immer schon. Einen eigenen Tatbestand gibt es seit 1994. Davor wurde Kinderpornografie nach dem Pornografiegesetz verfolgt. Dieses Gesetz stammt aus den 50er-Jahren und bestraft alles, was "unzüchtig“ ist - nicht nur Bilder, wie der neue Tatbestand. In den 50er-Jahren galten beispielsweise Dildos noch als unzüchtig. Das hat sich in den 70er-Jahren gewandelt.

Inwiefern?

Graupner: Die Gerichte unterschieden nun zwischen harter und weicher Pornografie. Weiche Pornografie ist seit den 70ern unter bestimmten Bedingungen straffrei. Harte Pornografie, also die Darstellung strafbarer sexueller Vorgänge, ist dagegen verboten. Darunter fallen etwa die Beteiligung von Personen unter 14 Jahren,


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