Stadtrand 

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 45/11 vom 09.11.2011

Da wird doch der Bäcker zum Frisierstübchen!

Sie geht uns nicht mehr aus dem Kopf, die Angestellte einer Bäckereikette, die wir vor Jahren dabei beobachten durften, wie sie zuerst ein Plunderstück in unser Sackerl verfrachtete, um anschließend die Gebäckzange abzuschlecken. Jetzt haben wir ein neues Bild im Kopf. Wieder passierte es in einer Bäckerei, diesmal in einer kleineren in der U-Bahn-Station, die wir ab und zu frequentieren. Feierabend. Die Verkäuferin hat offenbar noch was Wichtiges vor und macht sich über unverkauften Bauernbroten die Haare schön. Vor dem Spiegel hinter den Laiben im Brotregal bürstet sie ihre Mähne, als wären wir nicht beim Ideenbäcker, sondern in Uschis Frisierstübchen; zum Glück hat die Kundschaft das nicht gesehen. Und, he, es geht hier nicht um übertriebene Hygiene. Also Brote mit Leinentüchern anfassen oder für jede Wurstsemmel Gummihandschuhe anziehen. Aber wenn man schon Gummihandschuhe trägt, sollte man damit nicht in der Nase bohren. Jedenfalls nicht, wenn wir zuschauen. Kein Scherz. Mit eigenen Augen gesehen.


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