Prost!  

Da gehen Verpackung und Inhalt nicht Hand in Hand

Lexikon der Getränke. Diese Woche: AriZona-Eistee

Stadtleben | aus FALTER 45/11 vom 09.11.2011

In Wiens türkischer Restaurantkette Kent wurde man zuerst darauf aufmerksam, dann im Schnellimbiss-Imperium Nordsee: Der aus den USA stammende AriZona-Eistee fällt auf durch eine komplexe Emballage und ein liebevoll gestaltetes Design, das an naturalistische Zeichnungen aus der Zeit vor der Fotografie erinnert. Man möchte die Flaschen gar nicht fachgerecht entsorgen, sondern es überkommt einen das Bedürfnis, damit etwas zu tun, einen Zweitwert zu identifizieren.

Was steckt nun in diesem schönen gläsernen Gewand? Hier handelt es sich um eine Grüntee-Granatapfelmischung, die mit Honig gesüßt und mit Apfel- und Karottensaft gestreckt wurde. Die Zutaten sind in einem harmonischen Verhältnis aufeinander abgestimmt. Sehr süß und leider etwas zu beliebig, um mit der spezifischen Verpackung Hand in Hand zu gehen. Von dem Grünteeextrakt ist gar nichts zu spüren, kein Wunder, beträgt der Anteil doch nur 0,05 Prozent. In Österreich sind über Großgetränkehändler acht, in besagten Lokalen die zwei weiteren Sorten (Grüntee-Honig, Heidelbeer-Birne-Weißtee) zum Preis von knapp drei Euro zu haben.

Während der Bostoner Tea Party im 18. Jahrhundert wurde gegen die Steuerpolitik der englischen Kolonialmacht demonstriert, indem Teekisten aus dem fernen Indien im Atlantik versenkt wurden. Ob die aus Ohio (irokesisch: Schöner Fluss) stammende Firma AriZona auch schon mal eines der vielen Gewässer mit Eistee "behandelt“ hat, als Zeichen des Widerstandes gegen den Fiskus? MS


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