Menschen

Hyperhyperaktiv

Falters Zoo | Ingrid Brodnig, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 45/11 vom 09.11.2011

Wie bitte? Sie kennen Dick Brave nicht? Dann schauen Sie wohl keine Sender der Pro7-Kette. Dick Brave, so die Geschichte, die man uns seit Jahren weismachen möchte, ist ein Kanadier, ein Rock ’n’ Roller der alten Schule, der mit seiner Band The Backbeats in Shows auftritt und gebrochen deutsch spricht. Haha. Lustig. Noch lustiger: Dick Brave and the Backbeats klingt fast wie Nick Cave and the Bad Seeds. Jahrelang war Mr. Brave verschollen, jetzt ist er offenbar wieder da und kam nach Wien, wo man ihn mit einem Gasometer-Stern walk-of-fame-mäßig ehrte. Na gut. Wir lassen die Katze aus dem Sack: Dick Brave ist der Sänger Sasha und Sasha heißt in echt Sascha Schmitz, ist Westfale und begnadeter Musikerdarsteller.

Im November, wenn draußen die Blätter von den Bäumen fallen und die Temperatur sinkt, wird es drinnen schön kuschelig. Zum Beispiel kann man mit ganz vielen fremden Menschen in dichtgefüllten Clubs ganz viel Körperkontakt haben und Grippeviren austauschen. So richtig überkuschelig war es vergangene Woche im Flex. Da heizten Gernot Bronsert und Sebastian Szary als Elektroduo Modeselektor ein. Das Publikum stand so dicht gedrängt beieinander, dass man gar nicht wusste, ob der Schweiß auf der eigenen Haut noch von einem selbst oder vom Nachbarn stammt. Weiter hinten war es etwas entspannter. An der Flex-Bar stehen nicht nur gerne die heimischen Musikjournalisten, sondern auch Scooter. Ja, genau: SCOOTER, der Herr der Großraumdisco, die Stimme von "Hyper Hyper“. Neben seinen Bodyguards hatte Scooter, dessen Künstlername eigentlich H.P. Baxxter lautet, viel Platz und vergab zwischendurch sogar Autogramme. Wir würden nur gerne wissen, ob sich die Leute eine Scooter-Signatur holten, weil sie das kultig finden - oder weil sie allen Ernstes am Wochenende in der Landpomeranzendisko zu "Hyper Hyper“ abviechen. Herr Baxxter war dann übrigens später bei "Willkommen Österreich“ zu sehen - und wohl wegen der TV-Aufzeichnung in unserem schönen Städtchen.

Weniger Hardcore und mehr Gefühl gab es tags darauf in der Arena. Da trat der französische Musiker und Komponist Yann Tiersen mit Band auf. Das ist jener Mann, der den irrsinnig romantischen Film "Die fabelhafte Welt der Amélie“ mit der entsprechenden Musik versah und es so gar nicht mag, wenn man ihn nur auf diesen einen Soundtrack reduziert. "Amélie ist tot“, rief Tiersen ins Publikum, als sich dieses ein paar Songs der Filmmusik wünschte. Fies! Aber womöglich kann sich der feine Herr Musiker so harte Worte erlauben; auch diesmal war sein Wien-Konzert restlos ausverkauft.

Wir haben uns fast schon Sorgen gemacht, wie es rund um die Affäre weitergegangen ist, in der Society-Gräfin Eva Walderdorff ("Ich hatte ein Blackout“), der Wiener Flughafen und eine ganze Handtasche voll unbezahlter Kosmetika eine nicht unwesentliche Rolle spielten. Also: Wie dem Boulevardrauschen zu entnehmen ist, dürfte die Gräfin demnächst "mehrere Stunden Sozialdienst“ leisten; Tierheim schrubben, Obdachlosen Suppe kochen oder was anderes Gemeinnütziges. Ob sich der fiese Boulevard damit zufrieden gibt? Schließlich mussten Promis woanders ärgere Sachen machen. Fast-Lugner-Gast Lindsay Lohan putzte 120 Stunden Leichenschauhaus, nachdem sie eine Kette hatte mitgehen lassen. Mannequin Naomi Campbell musste ein paar Tage bei der New Yorker Müllabfuhr saubermachen, nachdem sie ihrer Haushälterin das Mobiltelefon nachgeschmissen hatte. Und Mausi Lugner war im Dschungelcamp. Oh, das war ja freiwillig.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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