Tiere

Punktlandung

Falters Zoo | aus FALTER 45/11 vom 09.11.2011

Peter Iwaniewicz macht mal einen Punkt oder mehr

Für die Jahreszeit zu warm“ ist eine angenehme Wettervorhersage im November. Das finden auch Marienkäfer, die diese letzten warmen Tage vor den Winterfrösten nützen und manche Hauswände so massenhaft besiedeln, dass die Gebäude scheinbar Sommersprossen bekommen haben. Marienkäfer gehören zu den wenigen beliebten Insekten, und das verdienen sie sich in erster Linie durch Brudermord. Nützlichkeit ist das Leitmotiv im Gartenbau und der Landwirtschaft, und allein in ihrer Larvenzeit fressen diese Käferlarven je nach Art bis zu 3000 Pflanzenläuse oder Spinnmilben.

Besonders hungrig ist der Asiatische Marienkäfer, den man an seinen 19 Punkten auf den Flügeldecken erkennt. Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei nicht um einen echten Europäer (was immer das sein könnte), sondern der Käfer wurde über die USA zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingeführt. 2001 landeten die ersten Invasionstruppen in Belgien und nun kommt er in ganz Mitteleuropa vor. An vielen Stellen auch massenhaft, was Hausbesitzer in Grünlagen nicht besonders freut, da er im Herbst in großen Schwärmen in den Häusern überwintert. Das ist ein fataler Irrtum, denn das überleben die Tiere nicht. Als wechselwarmes Tier würden sich in der Winterkälte alle Funktionen so verlangsamen, dass es in diesen Monaten nichts zu fressen braucht. In den geheizten Räumen aber läuft der Organismus weiter auf Hochtouren und die Käfer verhungern. Also: Wer Marienkäfer liebt, setzt sie im Herbst vor die Tür.

Ein schöner Begriff in diesem Zusammenhang ist "Reflexbluten“. So nennt man die Verteidigungsmethode jener Käferarten, die in Gefahrensituationen aus ihren Gelenkszwischenräumen eine toxische Flüssigkeit hervorpressen können. Diese meist gelben Tröpfchen wurden früher gegen Zahnweh verwendet (erfolglos) und sorgen jetzt für Unmut unter Weinbauern. Gerade zur Weinlesezeit suchen Marienkäfer Schutz unter den reifen Weintrauben. Werden diese dann bei der Weinlese mit verarbeitet, so presst man nicht nur Traubensaft, sondern eben auch diese eher garstig schmeckende Flüssigkeit in die Maische. Als Auskenner beschreibt man dann den Wein mit den Ausdrücken "bitter, Paprika, Erdnussbutter, Spargel“. Man könnte aber auch 2-Isopropyl-3-methoxypyrazin dazu sagen. Wirkt aber nicht so elegant.

zeichnung: püribauer.com


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