Samtener Wohlklang, schuldige Füße

Lexikon | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 46/11 vom 16.11.2011

George Michael mit Lieblingsliedern und Orchester in Wien

George Michael ist der heilige Sünder der Popmusik, ja, wenn man so will, Saulus und Paulus in einem. Der Brite mit griechisch-zypriotischem Vater ist einer der besten Songschreiber unserer Zeit. "Last Christmas“ spricht vielleicht nicht unbedingt dafür, aber Stücke wie "Jesus to a Child“, "Freedom ’90“, "Spinning the Wheel“ oder "Careless Whisper“, sein erster Solohit nach der Auflösung seiner Boyband Wham!, zeugen davon. Aus letzterem Song stammen die unvergesslichen Zeilen: "I’m never gonna dance again / Guilty feet have got no rhythm“. Ende der 80er war George Michael ein Superstar wie Prince oder Madonna. Danach folgten private Tiefschläge am laufenden Band, seine Mutter starb, sein Freund starb und schließlich wurde er nicht ganz freiwillig als schwul geoutet. Sein Leben ist eine Seifenoper. Dass er diese bereits selbst verfilmt hat ("A Different Story“, 2005) ist bei diesem Popnarziss kein Wunder. In den letzten Jahren kam noch eine Reihe von Verkehrsunfällen mit Fahrerflucht dazu. Drogenfrei, das war George Michael nie.

Halt, stimmt nicht: Wenn er auf die Bühne geht, ist der Soulpopmeister zu 100 Prozent Vollprofi. Davon konnte man sich zuletzt im Zuge seiner "25 Live“-Jubiläumstournee überzeugen, mit der er in den letzten Jahren mehrfach die Welt umrundete und auch in der Wiener Stadthalle gastierte. Jetzt kommt er wieder. Diesmal hat der 48-Jährige ein ganzes Orchester im Gepäck, mit dem er nicht nur eigene Songs neu interpretieren wird. Auf der "Symphonica“-Tour knüpft sich Michael auch Songs von Rufus Wainwright und Nina Simone, Terence Trent D’Arby und Amy Winehouse vor. Wer sich an sein balladeskes Coveralbum "Songs from the Last Century“ erinnert, weiß, dass der Abend ein Balanceakt zwischen teurem Samt und einer Überdosis Schmalz zu werden verspricht. George Michael ist ein großartiger Sänger, aber er macht es der Welt nicht immer leicht.

Wiener Stadthalle (Halle D), Mo 19.30


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