Kabarett  Kritiken

Männlein und Weiblein: das offene Geheimnis

Lexikon | Valerie Kattenfeld | aus FALTER 46/11 vom 16.11.2011

Kennen Sie das? Dass einem der eigene Mann so fremd ist?“, fragt Regina Hofer ihr Publikum in "1000 & One Night Stand“ - und sofort kommt die lachende Zustimmung der Zuschauerinnen. Dann, etwas zeitverzögert, ein einzelner Herr: "Ha. Ha. Ha.“ Erwischt. Der Durchschnittsmann spricht nicht aus, was er tatsächlich denkt, denn das wäre eine ernsthafte Bedrohung für den Beziehungsalltag. Zu diesem Schluss kommt Werner Brix in seinem Kabarettprogramm "40plus“. Hergeleitet wird die Erkenntnis durch simple Situationen. Beispiel: Frau hat ein neues Parfum. Mann merkt es sofort, sagt aber: "Hast du ein neues Putzmittel gekauft?“ Frau ist angefressen, sie streiten, Spannung wird aufgebaut, und es kommt zum erlösenden Versöhnungsakt. Was nicht passiert wäre, hätte er sofort ihren betörenden Duft gelobt. Auf die Enthüllung dieses Geheimnisses der männlichen Psyche wartet man übrigens eine geschlagene Stunde. Im ersten Teil geht es ausschließlich darum, dass nun Inhalte von enormer Wichtigkeit folgen und Brix gleich in medias res geht.

Regina Hofer hingegen startet ohne Umschweife mit ihrem ersten Peepshowbesuch am Naschmarkt. Kurze Musikeinspielung, dann lernen wir etwas über ausgefuchste Flirttaktiken in einem Gmundener Restaurant. Das Nachahmen diverser Dialekte hat Hofer gut drauf, dafür mangelt es allgemein an ausgefeilter Rhetorik beim Bühnenauftritt und einer Dramaturgie, die den Abend durch das Verknüpfen der einzelnen Erzählungen runder erscheinen lassen würden. Sowohl Hofer als auch Brix haben eine Tendenz, kleine Passagen hineinzuschustern, die wieder ganz woanders hin führen. Auch auf die halblustigen Publikumsinteraktionen hätte so manch einer wohl lieber verzichtet.

Kulisse, Do 20.00 (Hofer); Theater am Alsergrund, Do 19.30 (Brix)


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