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Der doppelte Gogol von Lera Auerbach

Lexikon | aus FALTER 46/11 vom 16.11.2011

Das halbe Leben hat die 1973 geborene Lera Auerbach in Russland verbracht, die andere Hälfte im Westen. Den "Gogol“ verfasste sie doppelt, als Theaterstück - ihr dichterisches Werk umfasst fünf Bände mit Gedichten und Prosa -, dann als Oper. Sie komponierte für den designierten Titelsänger Bo Skovhus extra auch Passagen, die hoch lagen. Knapp vor Probenbeginn musste der Bariton absagen. Auf Anregung der Regisseurin Christine Mielitz wurden zwei sehr gute Ersatzleute gefunden, die diese Rolle in nur zwei Wochen lernen mussten: Otto Katzameier hat etliche Rollen im neuen Musiktheater überzeugend dargestellt, Martin Winkler etwa Cerhas "Gesänge“. Der eine sollte die erste Hälfte, der zweite die andere bis zum Schluss singen. Mittlerweile wurde die Rolle anders aufgeteilt. Sie hat sich sozusagen verdoppelt. Vor der Premiere sagte Mielitz, Gogol selbst sei eine doppelte Natur gewesen: Sozialkritiker, Moralapostel, Priester, Verhöhner; zugleich Märtyrer, fixiert auf seine Mutter, der auch sein Volk abgöttisch liebte. Das Ende: Momente der Zerrissenheit, Verzweiflung und religiöser Wahn.

Auerbach zeigt in ihren Szenen, wie der Dichter der "Toten Seelen“ sein Manuskript verbrennt, mit Teufel, "Frau Tod“ und Hexe tanzt. Sie will die differenten Panoramen Gogols und seine Fixierung auf sich selbst vermitteln. Viele Lieblingsstellen ihres Schauspiels musste sie für das Libretto streichen. Gogols letzten Monolog hat sie musikalisch für den neuen Sänger adaptiert. Mielitz sieht das Stück als ein Kammerspiel "mit musikalischen Meereswogen“. Dirigent Vladimir Fedoseyew ist der Meinung, in der "romantischen“ Oper bestehe oft ein Konflikt zwischen dem musikalischem Konzept und dem szenischen der Interpreten. Hier nicht! "Wir sind eins“. Auerbach: "Die Verdoppelung war ein Fortschritt.“ Hr

Theater an der Wien, Fr, Mo, Do 19.30


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