Fotografie Vernissage

Tatütata, der Reporter mit dem Blitzlicht ist da

Lexikon | aus FALTER 46/11 vom 16.11.2011

Seine beste Zeit war die Nacht: Mit Polizeifunk ausgestattet, erreichte der Fotoreporter Weegee die von ihm so in Erfahrung gebrachten Unfälle, Brände oder Verbrechen oft noch vor den Einsatzkräften. Den Blitz ganz nah auf die Schauplätze und die blutigen Opfer gerichtet, produzierte der New Yorker Boulevardfotograf ab Mitte der 30er-Jahre heftige Aufnahmen, die er selbst 1945 in dem Bildband "Naked City“ publizierte. Nicht nur die Geschehnisse, auch der Voyeurismus der gaffenden Massen spielt in Weegees Fotos eine wichtige Rolle. Mit Dokumenten von Armut und Rassentrennung kratzte der im galizischen Lemberg geborene Sohn späterer Emigranten am amerikanischen Mythos einer egalitären Gesellschaft.

Nun bringt Westlicht die erste Retrospektive über den Fotografen nach Österreich, der sich selbst auf seinem Fotostempel als "Weegee - The Famous“ bezeichnete. Die zwischen 1932 bis 1960 entstandenen 250 Vintage Prints stammen aus der Schweizer Auer Photo Foundation. Weegee interessierte aber nicht nur die sensationelle und tragische Seite des Lebens. Er hielt auch alltägliche Szenen aus den Straßen der Arbeiterviertel New Yorks fest, etwa Kinder beim Badespaß im Wasserstrahl eines Hydranten. Auch die Halbwelt der Tänzerinnen, Starlets und Adabeis interessierte den Nachtschwärmer, von dem das Motto "Je mehr Blut und Sex, desto besser“ überliefert ist. NS

Westlicht, Di 19.00; bis 12.2.


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