Meinesgleichen

Lieben Sie Ihre Vorurteile? Dann lesen Sie nicht weiter!

Falter & Meinung | aus FALTER 46/11 vom 16.11.2011

Das Vorurteil ist ein unentbehrlicher Hausknecht, der lästige Eindrücke von der Schwelle weist“, lautet ein berühmter Satz von Karl Kraus. Das ist natürlich ironisch gemeint, aber wer in sich geht (wenn ihn der Knecht in sich lässt), wird feststellen, dass dieses Ich voller bequemer Eindrücke ist, die sich so angesammelt haben. Ein neues Buch hilft bei der Introspektion. Nina Horaczek, Journalistin dieses Blattes und Ungar-Preisträgerin des Jahres 2006, hat gemeinsam mit dem Juristen Sebastian Wiese ein Buch zusammengestellt, das einem knappen Dutzend Vorurteilen nachgeht und sie beurteilt. Die Vermutung, dass hier wenig Überraschendes zutage komme, wäre selber schon wieder ein Vorurteil.

Ist zum Beispiel die EU undemokratisch? Unter welchen Umständen wenden österreichische Gerichte die Scharia an? Und wie war das mit Hitler und der Autobahn? In wie vielen österreichischen Schulen wird nicht mehr Deutsch gesprochen? Ist das Verbotsgesetz undemokratisch? Warum sind Bewohner anderer Länder nicht so tüchtig wie die Österreichs, die doch nach 1945 ohne fremde Hilfe ihr Land wieder aufbauten? Wer auf solche trügerischen Fragen und viele mehr die richtigen Antworten haben möchte, ist bei diesem gründlichen, sachlichen, erfrischend unpolemischen und mit reichlich Literatur fundierten Buch richtig. Das Kraus-Zitat ist übrigens unvollständig. Der zweite Satz lautet so: "Nur darf man sich von seinem Hausknecht nicht selber hinauswerfen lassen.“

Das Buch: ¦ Nina Horaczek, Sebastian Wiese: Handbuch gegen Vorurteile. Von Auschwitzlüge bis Zuwanderungstsunami. Czernin Verlag, 304 Seiten, € 24,90


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