Am Apparat

Haben Sie mit dem Papst über Opium gesprochen, Herr Baier?

Telefonkolumne

Politik | Interview: Nina Horaczek | aus FALTER 46/11 vom 16.11.2011

Da bekommt der Papst Besuch aus Österreich, und dann ausgerechnet von einem Atheisten. Walter Baier, ehemaliger Vorsitzender der KPÖ und Koordinator des europaweiten Netzwerks linker Parteien von der italienischen Rifondazione Communista bis zu Die Linke in Deutschland, war vor kurzem Gast bei Benedikt XVI.

Wie kommt ein Kommunist zum Papst, Herr Baier?

Der Kontakt entstand dadurch, dass ich mich seit Jahren in Dialogprojekten engagiere. Als der Papst jetzt zum Friedenstreffen nach Assisi lud, standen erstmals auch vier Atheisten auf der Gästeliste. Einer davon war ich.

Was wollte Benedikt XVI. von den Ungläubigen?

Das Treffen von Vertretern 31 christlicher Kirchen und zwölf weiterer Weltreligionen und auch der Atheisten war ein Signal. Zuletzt initiierte Johannes Paul II. 1986, am Höhepunkt der Spannungen um Nato-Raketenstützpunkte in Italien, ein Friedenstreffen in Assisi. Das jetzige Treffen von Benedikt XVI. war ein Zeichen gegen die immer stärkerer Kriegshysterie, etwa gegen den Iran.

Was kann man vom Papst lernen?

Man kann von fast jedem Menschen etwas lernen. Was die Kritik an der neoliberalen Barbarei der Gesellschaft betrifft, gibt es manche Parallele zwischen Kirche und Kommunisten.

Aber Marx hat doch gesagt, Religion sei Opium für das Volk.

Das war aber nicht unbedingt das Thema des Treffens. Das vollständige Zitat lautet übrigens "Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur und das Opium des Volks“. Es spiegelt sich also im Opium das Elend der Welt, aber auch die Hoffnung auf ein besseres Leben.

Ist Religion also doch nicht so schlecht?

Ein Gegenbeispiel: Unter allen geladenen Religionsvertretern waren nur zwei Frauen, eine Jüdin und eine Atheistin. Vielleicht sähe die Welt besser aus, wären nicht alle Religionen derart männlich dominiert.


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