Wieder gelesen

Bücher, entstaubt

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 46/11 vom 16.11.2011

Der griechische Sonderweg

Wie kann die griechische Nationalökonomie, die zum Menetekel Europas geworden ist, wieder auf die Beine kommen? Der Athener Wirtschaftswissenschaftler Aristos Doxiadis schreibt im Aufsatz "Griechische Wirtschaft“, der erstmals im Juni 2010 in der Zeitschrift Athens Review of Books erschienen ist, wie bei den Hellenen wieder Prosperität einkehren könnte.

Seine These lautet so: Die entwickelten Ökonomien in Kerneuropa stützen sich nicht nur auf den freien Markt und auf wirtschaftliche Anreize für die Individuen, sondern auf "hierarchisch geordnete Gebilde“ und auf "Kooperationsstrategien“, die die Bourgeoisie aus den Zeiten des absolutistischen Staats übernommen hat. Kurz: Der erfolgreiche Kapitalismus integriert freie Marktwirtschaft in eine Gesellschaft mit Regeln und Verantwortung. In Griechenland liege die Sache anders: Dort schüttelte man den osmanischen Staat ab, ohne ihn weiterzuentwickeln. Die Folgen davon sind (im Vergleich zum Westen) ungleich mehr Klein- und Familienbetriebe und eine anarchische Wirtschaftsordnung. Laut Doxiadis könnte aus dieser Not eine Tugend werden: Der griechische Staat und die EU müssten dafür gezielt die kleinen griechischen Wirtschaftseinheiten fördern, anstatt den Hellenen Strukturreformen fremden Zuschnitts aufzudrängen.

Aristos Doxiadis: Griechische Wirtschaft. Lettre International, Nr. 94, € 11,90


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