Mediaforschung

Darf man das Christkind verprügeln, Herr Mayer?

Nachfragekolumne

Medien | Stefan Kluger | aus FALTER 46/11 vom 16.11.2011

Die neue Telering-Kampagne sorgt für Aufregung. Christkind und Weihnachtsmann verprügeln sich darin gegenseitig, im ersten Fernsehspot stößt Santa das Christkind brutal zu Boden, dieses revanchiert sich im zweiten Video mit einem Tritt ins Gesicht.

Eine martialische Werbung, die auf die Kampfangebote vor Weihnachten hinweisen soll. Einige Konsumenten finden das aber gar nicht lustig und haben beim Werberat Beschwerde eingereicht. Die zwei Videospots seien gewaltverherrlichend und würden religiöse Symbole verunglimpfen. Deshalb wird die Kampagne in Kürze zurückgezogen. Was haben sich die Werber dabei gedacht?

Thomas Mayer, Werbeleiter von Telering, rechtfertigt die Prügel: "Wir stehen eben für unkonventionelle Werbung, die polarisiert. Das war schon immer so.“ Der Mobilfunker wolle für Gesprächsstoff sorgen, so sei das bereits bei den bisherigen Maskottchen, dem Inder und den Speckmännern, gewesen.

Den Vorwurf, seine Werbung sei gewaltverherrlichend, weist Mayer zurück. Man habe vor der Ausstrahlung sogar einen Fokustest mit Kindern durchgeführt; die Kleinen hätten sich vom Gezeigten nicht gestört gefühlt. "So konnten wir guten Gewissens die Werbung machen“, meint der Werber.

Eines ist sicher: Die Telering-Werbung hat einen Nerv getroffen. Beim Kampf "Christkind vs. Santa“ verstehen viele Österreicher anscheinend keinen Spaß. Erst neulich ergab eine Umfrage auf Facebook, dass 72 Prozent der österreichischen User das Christkind dem Weihnachtsmann vorziehen, erzählt Mayer. Er hat bewusst diese Streitfrage als Handywerbung inszeniert. Die Provokation ist offensichtlich gelungen. Aber kann man es als Erfolg werten, wenn der Spot schließlich zurückgezogen wird?


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