Der Gärtner aus Liebe

Feuilleton | Laudatio: Daniela Strigl | aus FALTER 46/11 vom 16.11.2011

Klaus Nüchtern bekam den Staatspreis für Literaturkritik verliehen. Eine Lobrede in sieben rhetorischen Figuren

Wir sind im Fernsehen. Es ist "Frühlingszeit“. Die Moderatorin hat einen warnenden Unterton: "Aber jetzt wird’s ganz ernst.“ Zu Gast ist nämlich der Literaturkritiker. Die Moderatorin hat Schwierigkeiten, das Wort "Literaturkritiker“ auszusprechen. Was über ihre Lippen kommt, klingt wie "Löwenbändiger“.

Sie fragt den Literaturkritiker, ob er alles, was er lese, als Literaturkritiker lese. Dieser antwortet: "Man hat einen über Jahre und Jahrzehnte der Leseerfahrung antrainierten Instinkt, man teilt sich ja nicht auf in einen Leser und einen Literaturkritiker, man liest das einmal als Leser.“

Die Moderatorin: "Lesen Sie wirklich jedes Wort?“ Der Literaturkritiker, mit Bedauern: "Geht nicht anders.“ Die Moderatorin: "Was sind das für geheime Zeichen, die Sie da hineinschreiben?“ Der Kritiker prüft das Buch: "Das sind, glaub ich, Buchstaben.“

Der Kritiker


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