Hörbuch der Stunde

Rechtschaffen und zugleich entsetzlich

Feuilleton | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 46/11 vom 16.11.2011

An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Rosshändler, namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten und zugleich entsetzlichsten Menschen seiner Zeit.“ Unter den berühmten ersten Sätzen der deutschsprachigen Literatur ist dies wohl einer der berühmtesten.

Heinrich von Kleists Novelle "Michael Kohlhaas“ erschien 1810, ein Jahr vor seinem Selbstmord, am Ende eines überaus fruchtbaren Schaffensjahrzehnts des für heutige Begriffe mit 33 Jahren noch jugendlichen Autors.

Von Franz Kafka bis Thomas Mann reichte die Riege der Bewunderer, und auch heute kann man sich dem erzählerischen Sog des so temporeichen wie komplexen Kleist’schen Duktus kaum entziehen, der wie geschaffen zu sein scheint für den gerechten Zorn und die verbohrte Rechthaberei dieses überlebensgroßen Protagonisten. Auf dem Weg nach Sachsen wird der Rosshändler Kohlhaas auf der Burg des Wenzel von Tronka festgehalten, weil er keinen Passierschein


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige