Tiere

Fisch-Moll

Falters Zoo | aus FALTER 46/11 vom 16.11.2011

Wo treffen sich Natur und Kultur am harmonischsten? Offenbar in der Gastronomie. Beiträge über das herbstliche Ritual der Karpfenabfischerei finden sich im Kulturteil der Zeitschriften und werden als synästhetische Spektakel abgefeiert. Was hat es damit auf sich?

Im Herbst werden die Waldviertler Karpfenteiche abgelassen. Das passiert über mehrere Wochen hinweg, bis nur mehr ganz wenig Wasser in der sogenannten Fischgrube, der tiefsten Stelle des Gewässers, für die Karpfen übrig ist. Wenn das Wasser "kocht“, schaut das Publikum auch gerne zu. Dann werden die Fische mit Netzen an Land gezogen, aufs Sortierbrett geworfen und in Bottiche verladen. In Wassertanks werden sie dann bis zum weihnachtlichen Verkauf zwischengelagert. In der Fischereisprache nennt man das "in Hälteranlagen herumtümpeln“.

Das alles ist nicht unbedingt das, was man artgerechte Tierhaltung nennt. Aber anderseits sind das doch nur Fische, die auch nicht schreien, wenn sie verletzt werden. Also schmerzunempfindlich, oder?

Doch auch die Naturwissenschaft macht Fortschritte und ein schottisches Team in Edinburgh fand erstmals bei einer Studie heraus, dass auch Fische Schmerzen empfinden. Man lokalisierte in der Haut von Forellen Schmerzsensoren und die Tiere zeigten nach Verletzungen auch ein Schmerzverhalten ähnlich dem von Säugetieren. Das wirklich Überraschende daran ist aber eher, dass man erst im 21. Jahrhundert zu dieser Einsicht gelangt ist und man bislang Schmerzempfindungen nur Vögeln und Säugetieren zugestanden hat.

Also wie verhält sich ein Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability) richtig in der Zwickmühle zwischen Omega-3-Fettsäurenbedarf und nachhaltigem Verhalten?

1. Nur Fische aus ökologischen Aquakulturen. Also solche, die ohne antibiotikahaltiges Futter aufgezogen wurden.

2. Keine Salzwasserfische außer Lachs und Goldbrasse. Denn die Nachzucht anderer Fischarten ist schwierig und teuer, sodass meist wild gefangene Jungfische für die Aufzucht verwendet werden.

3. Nur Friedfische, also Vegetarier unter den Flossentieren. Raubfische werden mit Fischmehl aus unrentablen Fischarten gefüttert.

Auf Karpfen träfe das alles zu, wenn die Fangmethoden etwas humaner, äh, fischiger wären.

Zeichnung: püribauer.com


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