Vor 20 Jahren im Falter

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | aus FALTER 47/11 vom 23.11.2011

Tor, Tor, Tooor!

Es gibt kaum eine Idee, die nicht schon früher einmal dagewesen wäre. So hatte ich immer gedacht, jenes nicht stattgefundene Interview mit Jörg Haider (er verweigerte es im letzten Moment), das wir mit einer bis auf die Fragen leeren Doppelseite quittierten - auch die Bilder des Feschistenführers blieben bis auf einen dünnen Rahmen leer -, sei der zweite Falter-Exzess in Bilderlosigkeit gewesen. Der erste war das über Haider verhängte Bilderverbot, auf das wir hier in ein paar Jahren zu sprechen kommen werden.

Nun finde ich im Stadtleben von Falter 47/1991 eine Seite, auf der leere Bilder offensichtlich das Äußerste an Ennui und Entsetzen markieren sollen, das dem Falter-Redakteur denkbar ist. Es waren aber keine verbotenen Bilder, es war ein fehlender Text, der durch erratisch in die Leere gestreute Satzzeichen simuliert wurde. Am Ende stand eine kryptische Anmerkung: "Wir ersuchen höflich, den lückenhaften Text zu entschuldigen. Der Autor war schon längere Zeit bei keinem Länderspiel. Jetzt fehlen ihm die Worte.“

"Österreich - Jugoslawien“ lautete der Titel, und nun wird - obwohl im Falter natürlich kein Ergebnis des Spiels mitgeteilt wird - einiges klar. Es handelte sich um das letzte Spiel der EM-Qualifikation, Österreich verlor gegen Jugoslawien 0:2 und belegte mit drei Punkten nur aufgrund des besseren Torverhältnisses den vierten Rang vor den Färöer-Inseln.

Werner Meisinger war es, der sich mit allerlei Tricks um die Berichterstattung drückte, dann aber doch Folgendes schrieb: "Schönes Passspiel zwischen Baur und Keglevits. ‚Kegerl‘ nimmt den Ball elegant mit der Brust aus der Luft, schaut kurz auf und setzt das Leder mit trockenem Schuss halbrechts in die Maschen. Tooor schreit einer, der schon ein wenig angesoffen ist. Tooor und immer wieder Tooor, wenn ein österreichischer Spieler einschießt. Aber irgendwann ist die Pause aus, die Ersatzspieler räumen das Feld, und große Traurigkeit kehrt wieder ein.“ AT


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