Kafkaeskes in der Krabbelstube: wie die Gemeinde Wien das Materialgeld ihrer Kindergärten zentralisiert

Politik | Bericht: Joseph Gepp | aus FALTER 47/11 vom 23.11.2011

Blumen, Krepppapier, Bilderbücher, zählt Raphaela Keller vom Verband der Kindergartenpädagoginnen auf. Geschirrspülmittel, Taschentücher, Dekoreisig für den Advent und ein neuer Klobesen.

Für derlei Anschaffungen stand bisher in städtischen Kindergärten das sogenannte Materialgeld zur Verfügung - 184 Euro pro Monat und 25-köpfiger Kindergruppe. Es scheint nicht viel, aber es handelt sich eben um eine Art Haushaltsgeld für kleine Besorgungen des Alltags.

Nun orten Oppositionspolitiker wie die Stadträtin Isabella Leeb von der ÖVP "absurde Sparmaßnahmen auf Kosten der Kleinsten“. Wiens Kindergärtnerinnen sind laut Raphaela Keller "erbost“. Denn bis auf einen Restbetrag von monatlich 35 Euro wird die Gemeinde das Geld künftig nicht mehr auszahlen.

Stattdessen soll die Materialbeschaffung zentral erledigt werden. Das sei "unflexibel, autoritär und bürokratisch“, kritisiert Keller - und mit ihr Kindergärtnerinnen, die ihre Namen nicht in der Zeitung lesen möchten. Diese regt auch auf, dass die Gemeinde gleichzeitig mit der Zentralisierung auch sämtliche Materialgeldrücklagen von Kindergartenkonten eingezogen hat. Zwar erhält nun jede Gruppe zum Trost 120 Euro für Weihnachtsausgaben - dennoch "fällt das Nikolosackerl heuer dürftig aus“, wie eine Kindergärtnerin sagt.

Warum macht das Rathaus das? Insider munkeln schon von kurzfristigen magistratsamtlichen Liquiditätsproblemen - immerhin lagern auf allen Kindergartenkonten zusammen rund drei Millionen Euro.

Unsinn, entgegnet die Sprecherin von SPÖ-Stadtrat Christian Oxonitsch. Auch wenn die Maßnahme zwar "schlecht kommuniziert“ worden sei, erspare man sich durch Mengenrabatte bei zentralem Einkauf je zehntausende Euro im Jahr. Spielzeug etwa könne "schon allein aus Sicherheitsgründen“ heutzutage nicht jeder Kindergarten autonom kaufen, meint die Sprecherin.


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