Mediaforschung

Wie viel kostet denn ein Seitensprung, Herr List?“

Nachfragekolumne

Medien | Katharina Mittelstaedt | aus FALTER 47/11 vom 23.11.2011

Eine schnelle Nummer für 9,90 Euro gefällig? In jeder Trafik zu haben. Dies suggeriert zumindest eine Kampagne der Agentur Dirnberger de Felice Grüber. Sie bewirbt Kwikki, einen neuen Unterdienst des Mobilfunkbetreibers Orange. Kwikki sei die Wertkarte für all das, was mit der eigenen Handynummer unangenehm werden könnte.

Im Spot wird gleich die Vorlage geliefert. Ein attraktiver Mann steht lässig an einer Bar. Er trägt Anzug, statt Krawatte einen Schal und hat den Gesichtsausdruck eines Mannes, der weiß, was er will. "Du hast doch sicher ein Berufsleben“, hört man eine rauchige Stimme fragen. Der Mann schaut selbstgefällig an sich runter. Die Geste genügt. Ob er auch ein Familienleben habe? Er nickt. Und ein Privatleben oder vielleicht sogar mehrere? Der Mann zieht die Augenbrauen hoch und schaut verlegen weg. "Dafür gibt’s jetzt Kwikki, die schnelle Nummer aus der Trafik“, wird er aufgeklärt und bekommt die in einer Zigarettenschachtel verpackte Wertkarte. Unauffällig lässt er sie in seinem Sakko verschwinden.

Skeptiker wittern Gefahr, ist das Produkt doch ideal, um anonym Schindluder zu treiben. "Uns ist klar, dass die Kampagne polarisiert“, sagt Creative Director Christian List. Kwikki sei für Menschen, die für Internetkäufe nicht ihre echte Nummer verwenden wollen oder ein reges Privatleben haben. "Wir streben ganz bestimmt nicht die moralische Verrohung des Landes an. Die Marke nimmt sich einfach nicht so ernst.“

Inzwischen ist eine Beschwerde beim Werberat eingegangen. Die Werbung sei ein Aufruf zur Untreue. Doch Moralapostel können besänftigt werden, denn mit 6,9 Cent pro Gesprächsminute oder Kurznachricht müssen sich Bonvivants und andere Sünder den Dienst wenigstens was kosten lassen.


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