Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein dreht seinen Wiener Museen den Geldhahn zu

Feuilleton | Bericht: Matthias Dusini | aus FALTER 47/11 vom 23.11.2011

Zu Neujahr kommt das Ende des Liechtenstein-Museums. Da wird der Publikumsbetrieb des barocken Palais in der Rossau eingestellt. Als Begründung nannte Fürst Hans-Adam II. die schlechten Besucherzahlen. 300.000 Besucher wären notwendig gewesen, um kostendeckend arbeiten zu können; es kamen aber nur 45.000 im Jahr.

Zur Eröffnung des um 25 Millionen Euro renovierten Gebäudes, in dem vorher das Museum moderner Kunst residierte, reisten 2004 in einem Sonderzug 800 der 33.000 Liechtensteiner an. Eine der bedeutendsten Privatsammlungen alter Meister kehrte da an ihren angestammten Platz zurück, nachdem sie am Ende des Zweiten Weltkriegs nach Vaduz verlegt worden war.

Direktor Johann Kräftner zeigte sich optimistisch, dass das Museum ein Erfolg sein würde: "Wenn Wien so eine elende Provinzstadt ist, dass jemand nicht einmal 25 Minuten vom Stephansdom hierher gehen will, dann wird es zur Lachnummer.“

Kräftners Tätigkeit beschränkt sich jetzt auf die Leitung der Sammlungen. Aus der Marke Museum Liechtenstein wird das Palais Liechtenstein. Es wird nur mehr für Veranstaltungen vermietet. Ein Besuch soll auch im Rahmen gebuchter Führungen möglich sein. "Ich möchte das für den Betrieb aufgewandte Geld lieber in Kunstwerke investieren“, begründet Hans-Adam laut Pressestelle seine Sparmaßnahme. Das Restaurant Rubens auf dem Vorplatz wird geschlossen und in Büros umgebaut.

Von dem radikalen Schnitt betroffen ist auch das Stadtpalais in der Bankgasse, das nächstes Jahr als Museum für Klassizismus und Biedermeier eröffnen sollte. In dem mustergültig um 80 Millionen Euro renovierten Gebäude entstand auch ein Tiefspeicher für die Kunstwerke. Die Statik des von Bombentreffern im Krieg beschädigten Gebäudes musste aufwendig gesichert werden. Auch hier wird es nur Vermietungen und gebuchte Führungen geben.


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