Prost!

Erinnerungspflege: Frühformen des Alkopop

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Shine! The Easy Drink

Stadtleben | aus FALTER 47/11 vom 23.11.2011

Bevor uns der Winter mit all seinen gewürznelken- und zimtstangenhältigen Flüssigkeiten mit voller Wucht treffen wird, wollen wir uns vorstellen, wie es war, als uns noch die Sommersonne ins Gesicht schien. Shine! The Easy Drink - so heißt auch jene Getränkereihe, die die Sorten Red, White und Green umfasst. Bei Red handelt es sich eine 4,8-prozentige Weinmischung, die mit einem Schuss Bitterorangensaft erweitert wurde. Es ist dem Getränk Aperol Spritz zum Verwechseln ähnlich und schmeckt in dieser Ausführung ganz proper.

Bei White und Green wurde der latente Trend hin zur Holunderblüte ausgenutzt und im Fall von White eine alkoholfreie Limonade gebraut, die ebenfalls okay schmeckt. Hände weg von Green: Der resche Weißwein soll mithilfe der duftigen Holunderblüte überdeckt werden.

Das versprüht den Esprit von Feuerwehrfesten, schunkelnden Menschenmassen und knallengen stonewashed Jeans. Da scheint die Sonne nicht mehr, sie sticht uns förmlich mit ihren gleißend grellen Strahlen. Das erinnert uns an die frühen Formen des Alkopop: Pfirsich- oder Erdbeerspritzer waren so Kaliber, Ribiselwein, Cola Rot. Die härtere Fraktion war mit dem sogenannten Rüscherl - Brandy und Cola - zufrieden zu stellen. So schön wie in Jeffrey Eugenides’ "Virgin Suicides“ wird der Frühversion des Alkopop wohl nirgendwo gefrönt: heimlich unter dem Tanzpodium. Der flüchtige Kuss schmeckt nach dem bitter-süßen Speichel der Angebeteten. MS


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