Film Neu im Kino

Von Terroristen und Tierschützern

Lexikon | Stefan Kluger | aus FALTER 47/11 vom 23.11.2011

Als 2008 einige Tierschützer mehr als 100 Tage lang in U-Haft saßen, begannen die Dreharbeiten zu "Der Prozess“. Regisseur Gerald Igor Hauzenberger war neugierig, warum die Republik Österreich weder Kosten noch Mühe scheute, um gegen diese Leute nach § 278a StGB vorzugehen.

Während den 13 Angeklagten die Bildung einer kriminellen Organisation zur Last gelegt wurde, filmte Hauzenberger sie bei der Arbeit, beim Wandern, zu Hause, bei Gericht. Doch wirft der Film nicht nur die große Frage auf, warum Aktivisten einer Tierrechtsbewegung wie Mafiosi, Wirtschaftskriminelle oder Terroristen behandelt werden, sondern gewährt in vielen kleinen Szenen bisweilen schockierende Einblicke in unsere Gesellschaft. Hausdurchsuchungen, verdeckte Ermittlungen, ein großer Lauschangriff kamen zum Einsatz, Untersuchungshaft wurde verhängt. Muss man in Zukunft Angst haben, sich bei einer NGO zu engagieren?

Die Dreharbeiten wurden nicht nur durch die außergewöhnlich lange Prozessdauer erschwert, sondern immer wieder durch Drohungen und Einschüchterungen behindert. Hauzenberger wollte auch die andere Seite beleuchten. Wie mitgefilmte Telefonate jedoch dokumentieren, waren weder Justizministerium, Staatsanwaltschaft noch die ermittelnde Soko zu einer Stellungnahme bereit; nur die damalige Justizministerin Claudia Bandion-Ortner lässt mit ihrer Meinung zum Mafia-Paragrafen aufhorchen.

Ironischerweise wurde letztlich die verdeckte Ermittlerin zur wertvollsten Entlastungszeugin. Dass den in erster Instanz Freigesprochenen unfassbar hohe Kosten drohen, ist weniger lustig. "Der Prozess“ erinnert nicht umsonst an den gleichnamigen Roman von Franz Kafka: staatliche Willkür statt Rechtsstaatlichkeit?

Ab Fr in den Kinos


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