Vor 20 Jahren im Falter

Grundsätzlich

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | aus FALTER 48/11 vom 30.11.2011

Zumindest das hat sich in 20 Jahren geändert. "In Burkina Faso ist es Teil des Regierungsprogramms“, schrieb der Falter. "In Österreich ist er noch immer auf ein Häuflein Idealisten angewiesen: Der biologische Anbau hat unter den 140.000 Bauern wohl nicht mehr als 2000 Anhänger gefunden.“

Der Philosoph Herbert Hrachovec interviewte den "inzwischen zum Skeptiker gewordenen Computerpionier“ Joseph Weizenbaum, der in Wien über virtuelle Realität referiert hatte, und konfrontierte ihn mit dessen Aussage, in 50 Jahren werde es keine Computer, aber auch keine Menschen mehr geben. Weizenbaum: "Wir müssen halt dagegen arbeiten, es passiert nur, wenn wir nichts unternehmen. (…) Man kann sagen, dass das (die Euphorie der Künstliche-Intelligenz-Propheten, Anm.) Unsinn ist. Aber das war bei ‚Mein Kampf‘ auch nicht anders. Da steht auch viel drin, was nicht stimmt, und da wird ein Programm entworfen, das vollendet werden soll. Jeder vernünftige Mensch, der das bis 1935 oder so gelesen hat, der konnte sich totlachen. Aber es hat eine Macht gehabt. Ich sehe heute eine solche Begeisterung in Bezug auf Chaos, Relativität und Virtualität, dass ich eine Massenhysterie nicht ausschließen möchte. Und der Nationalsozialismus hat uns gezeigt, dass es solche Phänomene gibt und wohin sie führen.“

Es war ein Falter grundsätzlicher Erklärungen. Fritz Ostermayer erklärte anlässlich des Wien-Konzerts der deutschen Gruppe Kraftwerk: "Seit dem Beginn unseres Jahrhunderts schuf die Reduktion herkömmlich kunsthandwerklicher Mittel einen neuen Freiraum für Denken über Kunst, der im Extrem auch das Räsonieren selbst zur Kunst erklärt. Die äußerste Verknappung der Artistik - Malewitschs Quadrat zum Beispiel oder Duchamps Pissmuschel - erkämpfte eine neue Philosophie der Kunst, die im dialektischen Bocksprung wiederum auf die artistischen Mittel zurücksprang und wieder zurück ad libitum beziehungsweise bis zur Auflösung der Mittel.“ aT


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