Meinesgleichen

Karl-Heinz Grasser: die Sprache der Unschuld

Falter & Meinung | aus FALTER 48/11 vom 30.11.2011

Lange mussten wir auf diese ideale Doppelerscheinung des österreichischen Wesens warten: Wolfgang Fellner interviewt Karl-Heinz Grasser, in einer Zeitung namens Österreich, vier Folgen lang, von "ungerechter Verfolgung“ bis "Kinder“. Das Blatt tut eben alles für seinen Erfolg, von Hundesammelkarten bis KHG, man kann es ihm nicht verdenken. Und richtig, auch wir hätten Grasser interviewt, hätte er je mit uns geredet, denn auch wir sind jedem dankbar, der uns hilft, unser Blatt zu verkaufen, von Haider bis Grasser. Wir werden es verschmerzen, denn wir wissen, die Falter-Verkäufer wider Willen sterben nicht aus.

Interessant ist das Grasser-Interview vor allem im Hinblick auf die Sprache von Schuld und Unschuld. Grasser, dessen Verfahren so lange dauern, weil Kontenöffnungen und Hausdurchsuchungen in Liechtenstein von Rechtsberatern beeinsprucht werden und deswegen der Justiz nicht zur Verfügung stehen, drängt auf ein Ende des Verfahrens und sagt: "Es gibt keinen einzigen Hinweis, dass ich mir etwas Illegales zuschulden kommen ließ.“ Sehr vornehm ausgedrückt. Und die Indizien, auf die sich die Staatsanwaltschaft beruft? "Es gibt nichts, keinen einzigen Beweis.“ Obwohl eine "Armada von Staatsanwälten“ sich in "politischer Verfolgung“ übt, "um mich fertigzumachen und damit die Ära Schüssel politisch zu vernichten“. Von Stiftungen ist übrigens nicht die Rede. Wie wär’s mit einem Tauschgeschäft: KHG legt offen, wie sein Vermögen entstand, und wir lassen seine Ära in Ruhe?

Quelle:

¦ Österreich vom 27.,28.,29. und 30.11.2011


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