Kommentar

Integration braucht keinen Beirat, sondern ein Bleiberecht

Fremdenpolitik

Falter & Meinung | Nina Horaczek | aus FALTER 48/11 vom 30.11.2011

Jetzt ist es amtlich. Der "Integrationsbeirat“, seit Juli 2011 gesetzlich vorgeschrieben, hat sich vergangenen Montag zur ersten Sitzung getroffen. Dieses neue Gremium soll die Integration von Ausländern forcieren.

Gleichzeitig schickt die Polizei einer integrierten Familie, die seit bald sieben Jahren in Wien lebt, einen Ausweisungsbescheid (siehe Artikel S. 13). Sechs Jahre hat der Asylgerichtshof gebraucht, um zu entscheiden, dass die Familie Vuckovic aus Serbien in Österreich kein Asyl bekommt.

Die Familie hat sich in den vergangenen sechs Jahren hier ein neues Leben aufgebaut. Der Sohn Denis gilt als große Basketball-Nachwuchshoffnung. Beide Kinder haben beste Noten und sprechen perfekt Wienerisch.Trotzdem sind die Vuckovics seit zwei Wochen Illegale in Österreich. Grund für derartige Härtefälle ist laut Innenministerium, dass der Asylgerichtshof bis heute beschäftigt ist, Asylanträge aus den Jahren 2000 bis 2005 abzuarbeiten.

Für solche Probleme braucht es keinen neuen Beirat, sondern ein umfassendes Bleiberecht - für alle, die sich seit Jahren in Österreich aufhalten, unbescholten sind und ihre Integrationsbereitschaft nachweisen können.

Von einer derartigen Tabula-rasa-Aktion hätten nicht nur Ausländer, die zu Illegalen gemacht wurden, etwas. Auch die Österreicher würden profitieren. Im Fall Vuckovics hat der Staat zwei jungen Menschen bereits sechs Jahre Ausbildung bezahlt. Können sie bleiben, werden sie bald arbeiten und Steuern zahlen.

Eine alternde Gesellschaft wie Österreich, der die Financiers des Sozialstaats ausgehen, sollte sich überlegen, ob sie es sich leisten kann, junge Talente abzuschieben - auch wenn diese den falschen Pass besitzen.


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