Am Apparat

Herr Bauer, was macht das Heer mit giftigen Badeschlapfen?

Telefonkolumne

Politik | Interview: Nina Horaczek | aus FALTER 48/11 vom 30.11.2011

Weil 110.000 vom Bundesheer zwischen 2004 und 2008 bezogene Badeschuhe einen giftigen Weichmacher enthalten, wurden die Schlapfen nun zurückgeholt. Was die Giftlatschen an den Füßen der Soldaten angerichtet haben und was mit dem Heeresschlapfenberg passieren soll, erklärt Oberst Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Letzte Woche rief das Bundesheer 110.000 Badeschuhe wegen giftiger Weichmacher zurück. Wie kamen Sie zu den Giftpatschen?

Die Badeschuhe wurden mittels Ausschreibungen bestellt. In der Ausschreibung stand zwar, sie müssten frei von Weichmachern sein, Tests zeigten aber, dass die Schuhe den Weichmacher DEHP enthalten.

Hat das Heer Soldatenfüße vergiftet?

Nein. Der Hauptschuh des Soldaten ist der Feldschuh, schließlich sind sie im Gelände im Einsatz und nicht im Schwimmbad. Die Schlapfen waren höchstens zehn Minuten am Tag, auf dem Weg zur Dusche, am Fuß. Das war laut Umweltbundesamt ungefährlich.

Angst vor giftigen Plastiklatschen ist also kein brauchbares Argument, den Wehrdienst zu verweigern?

Das geht sicher nicht durch. Erstens hatten die Soldaten schon zuvor kein Gesundheitsrisiko, zweitens kriegen alle, die neu einrücken, 100 % schadstofffreie Badeschlapfen.

Was außer Patschen kriegen Grundwehrdiener eigentlich noch vom Heer?

Alles, von der Unterhose bis zum Stahlhelm. Die Grundausrüstung wiegt etwa 35 Kilogramm.

Achtet das Heer bei solchen Ausschreibungen auf faire und ökologische Produktionsbedingungen?

Das sind nach meinem Wissen keine Kriterien. Allerdings schreiben derartige Aufträge nicht wir aus, sondern die Bundesbeschaffungsagentur.

Und was machen Sie jetzt mit Ihren 110.000 Weichmacher-Schuhen?

Die liegen in einem Bundesheerlager, und es wird sich erst weisen, was weiter damit passieren wird.


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