Wieder gelesen

Bücher, entstaubt

Politik | aus FALTER 48/11 vom 30.11.2011

Die machtlosen Herrscher

Krisen führen dazu, dass Sichtweisen auf die Welt, die ehedem als unverrückbar galten, plötzlich keinen Wert mehr besitzen.Dass zum Beispiel der Kapitalismus auf ein "rationales“ Menschenbild aufbaut, will heute keiner mehr glauben. Bleibt die Frage: Haben wir uns in den Jahren vor der Krise einlullen lassen, ohne nachzudenken, was wirklich Sache ist?

Wer sich auf die Komplexität moderner Gesellschaften einlassen will, kann das mit dem Buch "Subversion der Rationalität“ von Jon Elster tun. Warum sind autokratische Herrscher wie Putin oder Mubarak in Wirklichkeit quasi machtlos? Wieso wirkt nichts so unbeeindruckend wie der Wunsch, beeindrucken zu wollen?

Das Werk ist kein Lebensratgeber, es ist ein intellektueller Sparringpartner. Mithilfe von formaler Logik und Spieltheorie zeigt der (unheimlich) schlaue Ökonom Elster, dass es so etwas wie "Rationalität“ nur geben kann, wenn wir uns darauf einlassen, dass dem Leben ein ständiger Widerspruch innewohnt. Ohne Paradoxien ist Logik nicht zu haben. WZ

Jon Elster: Subversion der Rationalität. 1987, Campus, 288 S., gebraucht ab € 14,99


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