Mediaforschung

Herr Kastel, müssen wir uns für den Ausnahmezustand rüsten?

Nachfragekolumne

Medien | Wolfgang Zwander | aus FALTER 48/11 vom 30.11.2011

Es braucht überraschend wenig, um kurzfristige Versorgungsengpässe in Notsituationen überbrücken zu können.“ Warum spürt man Unbehagen, wenn im Supermarkt ums Eck ein Plakat an der Wand klebt, auf dem dieser Satz geschrieben steht?

Also bitte, empört sich der Hausverstand, während man zwischen Billa-Regalen steht, wir leben in Österreich! Wer dennoch darauf hinweist, dass die gefühlte letzte Sicherheit unserer Tage, die Freiheit des Konsums, in Wirklichkeit so sicher nicht ist, rührt an einem Tabu. Im Kapitalismus darf niemand hungern und frieren, schrieb sinngemäß der Philosoph Theodor Wiesengrund Adorno.

Gerade in Zeiten der Krise sei so ein Gerede vom Ausnahmezustand Panikmache, raunen die Psychologen in den Medien, die die Kampagne aufgeregt aufgegriffen haben. Wer macht denn so etwas? Die "Helfer Wiens“, der ehemalige Zivilschutzverband der Stadt Wien, und zwar in Kooperation mit den Supermarktketten des Rewe-Konzerns und der Spar-Gruppe.

Die "Helfer Wiens“ wollen weder Alarm schlagen noch Panik machen. Sie haben im Zuge der "Wiener Sicherheitswochen“ lediglich darauf hingewiesen, dass sich jeder Bürger mit ein paar einfachen Vorkehrungen für den Notfall rüsten kann.

Etwa mit einem Vorrat an Wasser, mit einem vollständigen Erste-Hilfe-Kasten und einer Dokumentenmappe. Überdies sind es nicht nur die großen Ausnahmezustandsszenarien, die die Zivilschützer im Visier haben, es kann auch nur darum gehen, wie man für sein Baby bei Stromausfall das Essen aufwärmt. "Wenn durch eine unserer Aktionen nur ein Unglück verhindert wird, ist das ein Erfolg“, sagt Wolfgang Kastel, Geschäftsführer der "Helfer Wiens“. Dann muss er das Telefonat schnell beenden, weil er erwartet wird - beim Meeting "Brände verhindern in der Weihnachtszeit“.


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