Wie gedruckt

Pressekolumne

Medien | Nina Horaczek | aus FALTER 48/11 vom 30.11.2011

Sind Sie sensibel?“, fragte Standard-Kulturchefin Andrea Schurian am Wochenende den grünen Kultursprecher Wolfgang Zinggl in einem Interview. "Ja, sehr. Warum?“, sagt der. "Weil Sie so empfindlich reagieren“, setzt der Standard nach. Wieso Zinggl empfindlich ist, erfährt der Leser neun Seiten später in der Rubrik "Errata“.

Die Geschichte ist komplex: Eine an Zinggl gerichtete VIP-Einladung zur Kunstmesse Art Basel landete ausgerechnet in der Kunsthalle. Deren Chef Gerald Matt hatte der Grüne Zinggl kurz zuvor wegen des Verdachts auf Untreue angezeigt. Die Einladung wanderte von der Kunsthalle zum Standard, der Zinggl daraufhin unterstellte, Luxuseinladungen anzunehmen. Außerdem berichtete die Zeitung, die Justiz ermittle gegen den grünen Kultursprecher, vergaß dabei aber die Unschuldsvermutung und auch, von Zinggl eine Stellungnahme einzuholen. Man muss kein Sensibelchen sein, um derart schlecht recherchierten Journalismus in die falsche Kehle zu kriegen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige