Enthusiasmuskolumne

Zusehen, wie Herr Fauner zuhört

Diesmal: Die beste Internet-Serie der Welt der Woche

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 48/11 vom 30.11.2011

Wir begegnen Franz Fauner zum ersten Mal in seinem Auto. Der junge Mann hat offenbar darin genächtigt. Die Morgenhygiene beschränkt sich aufs Zähneputzen. Dann steigt er aus, tritt vor ein Haus und beginnt einen Dialog mit der Gegensprechanlage. Irgendwie gelingt es ihm, Einlass zu bekommen. Wenig später wird Fauner ein Zimmer ergattert haben, das der Wohnungseigentümer eigentlich gar nicht vermieten wollte.

Fauner kann eines sehr gut: zuhören und dabei nett und ein bisschen verträumt dreinschauen. So nett, dass das Gegenüber ihn für ungefährlich hält und ihm seine ganze Lebensgeschichte anvertraut - oder gar die Wohnung mit ihm teilt. So entsteht in Fauner die Idee, in seinem Untermietzimmer eine Praxis für Lebensberatung zu eröffnen. Nur der Vorname muss weichen: Für seine Klienten nennt sich der charmant-melancholische Hochstapler François.

Manuel Rubey brilliert als François Fauner in der neuen österreichischen Serie "Fauner Consulting“. Bislang haben ihm aber nur ein paar tausend Leute zugesehen. "Fauner Consulting“, eine Co-Produktion des Schauspielers mit dem Regisseur und Drehbuchautor Georg Weissgram, läuft nämlich nur im Internet. Der ORF hatte kein Interesse, und so stemmten die beiden die Serie als No-Budget-Produktion. Jeden Dienstag geht auf www.fauner-consulting.at um 20.15 Uhr eine neue Episode online.

Neben Rubey wirken auch andere bekannte heimische Schauspieler mit, etwa Simon Schwarz, Matthias Franz Stein oder Marion Mitterhammer. Warum? Weil Weissgrams Drehbuch intelligent und witzig ist, weil die Figuren interessant und die Dialoge verdammt gut sind. Mindestens so gut wie damals, "als der Gebührenrundfunk noch lustige Sachen gemacht hat“, wie es in einer Spitze in Richtung ORF in Folge zwei heißt.

Die am Küniglberg sollten sich das jetzt anschauen. Weissgram/Rubey würden gern noch eine zweite Staffel drehen. Fürs Fernsehen. Mit Budget.


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