Ohren auf

Wenn Detroit in Deutschland liegt

Sammelkritik: Neue Techno- und Dubstep-Veröffentlichungen

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 48/11 vom 30.11.2011

Das belgische Label R&S war in den 90er-Jahren eine der wichtigsten Adressen für Technomusik ohne Scheuklappen. Der Detroiter Pionier Juan Atkins pflegte darauf die Alben seines Projekts Model 500 zu veröffentlichen, später kamen Drum’n’Bass-Platten und wichtige Compilations wie "In Order To Dance“ dazu. Nach längerer Pause wurde R&S mit einem neuen Team von London aus wieder aktiv und brachte u.a. fulminante Dubstep-EPs von James Blake heraus, bevor dieser seine Stimme in den Vordergrund stellte.

Der Sampler "IOTDXI“ (R&S) gibt auf zwei CDs einen Überblick über Veröffentlichungen aus den letzten 18 Monaten (CD 1) und versammelt auch neue Tracks (CD 2). Bestechend: Dubstep, House und Bleep-Techno in Anlehnung an die alten R&S-Zeiten ergänzen sich hier ganz wunderbar. Ebenfalls nicht puristisch veranlagt ist der Produzent und DJ Gold Panda. Für seinen Beitrag zur "DJ-Kicks“-Mixserie (!K7) holt er denkbar weit aus und mischt elektronische Tanzmusik der letzten 20 Jahre. Neuer und alter Techno sowie Dubstep stehen neben Minimal House von Jan Jelinek, funky Clicks’n’Cuts von SND oder Unterwasser-Elektro der mysteriösen Gruppe Drexciya. Eklektisch? Ja, vor allem aber schlüssig kombiniert.

Ganz auf der Detroiter Schiene unterwegs ist der Düsseldorfer Andy Vaz mit seinem neuen Album "Straight Vacationing“ (Yore). Er liefert damit den Beweis, dass man auch als Weißbrot lässigen Deep House einschlägiger Art machen kann, ohne sich in jedem Sound vor Größen des Genres wie Moodymann oder Theo Parrish verneigen zu müssen.

Von Venezuela über London nach Berlin verschlug es die Sängerin Aérea Negrot, die zwischenzeitlich Hercules & Love Affair ihre Stimme lieh. Auf ihrem Solodebüt "Arabxilla“ (Bpitch Control) irrlichtert sie zwischen House und Kunstpop, an Klaus Nomi gemahnendem Operngesang und Referenzen an Grace Jones. "Ich will eine Deutsche werden“, singt sie. Und: "Ich bin so eine große Stern, aber die Welt kann mich noch nicht sehen.“ Sehr eigensinnig, sehr toll.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige